Das Rätsel, das Wissenschaftler 20 Jahre lang nicht lösen konnten
Ich muss ganz ehrlich sein: Als ich zum ersten Mal von dieser Geschichte gehört habe, konnte ich kaum glauben, dass Forscher ganze zwanzig Jahre gebraucht haben, um herauszufinden, was da ein Loch in der Nordsee verursacht hat. Wir reden hier immerhin von einem Krater — unter dem Meeresboden. Wie schwer kann das denn bitte sein?
Tja, offenbar doch ziemlich schwer. Und die Antwort, die am Ende dabei herauskam? Absolut verblüffend.
Ein Mysterium, das sich nicht lösen wollte
Stell dir folgendes Bild vor: Es ist 2002, und Geologen kartieren den Meeresboden, als sie auf etwas Merkwürdiges stoßen. Etwa 130 Kilometer vor der Küste von Yorkshire, versteckt unter ungefähr 700 Metern Wasser, liegt ein Krater von etwa drei Kilometern Durchmesser. Keine große Sache, oder? Krater gibt es überall auf der Erde.
Aber hier wird's interessant — dieser Krater ergab keinen Sinn. Seine Form, die Art und Weise, wie das umliegende Gestein gebrochen war, das gesamte Erscheinungsbild in den Scans... alles deutete auf einen Asteroideneinschlag hin. Doch nicht jeder war überzeugt.
Einige Wissenschaftler argumentierten, es handele sich einfach um wandernde Salzlagerstätten unter der Erde. Andere machten vulkanische Aktivität verantwortlich, die den Meeresboden zum Einsturz gebracht haben könnte. Der Streit wurde so hitzig, dass 2009 die Geologen buchstäblich darüber abstimmten. Und hier wird's peinlich: Die Mehrheit stimmte gegen die Asteroiden-Theorie.
Stell dir vor, du wärst der arme Forscher, der sagt: „Nein, vertraut mir, das ist ein Himmelskörper", während alle anderen sagen: „Äh, nö."
Der Beweis, auf den alle gewartet haben
Nun, spulen wir vor bis heute — und dieser Forscher wurde vollständig rehabilitiert.
Ein Team um Dr. Uisdean Nicholson von der Heriot-Watt-Universität in Edinburgh hat kürzlich Ergebnisse veröffentlicht, die den Streit endgültig beilegen. Und zwar durch die Entdeckung dessen, was man als den „Rauchenden Revolver" für Asteroideneinschläge bezeichnen könnte: geschockte Minerale.
Jetzt wird's kurz ein bisschen wissenschaftlich, aber bleib dran — es ist wirklich faszinierend. Wenn ein Asteroid mit Tausenden von Kilometern pro Stunde auf die Erde trifft, erzeugt der unvorstellbare Druck tatsächlich Veränderungen in der molekularen Struktur bestimmter Kristalle im Gestein. Wir sprechen von Quarz- und Feldspatkristallen, deren Anordnung sich auf ausschließlich unter diesen extremen Aufprallbedingungen verändert.
Dr. Nicholson beschrieb die Suche nach diesen Mineralen als „echte Suche nach der Nadel im Heuhaufen." Sie mussten Proben aus einer Ölexplorationsbohrung in der Nähe des Kraters untersuchen, winzige Fragmente unter dem Mikroskop analysieren und darauf hoffen, diese charakteristischen Strukturen zu entdecken.
Und dann — da waren sie. Der endgültige Beweis, dass vor etwa 45 Millionen Jahren irgendetwas aus dem All diesen Ort mit voller Wucht getroffen hat.
Was hat dort eigentlich eingeschlagen?
Basierend auf allen neuen Daten — einschließlich hochauflösender seismischer Bildgebung (stell es dir wie ein Ultraschall für die Erde vor) und Computersimulationen — rekonstruierte das Team, was passiert ist.
Der Verursacher war ein Asteroid oder Komet mit etwa 160 Metern Durchmesser. Das entspricht ungefähr der Länge von anderthalb Fußballfeldern, oder, falls du es lieber so magst: etwa so hoch wie die erste Aussichtsplattform des Eiffelturms. Er kam aus westlicher Richtung in einem flachen Winkel herangebraust.
Und jetzt wird's wirklich wild.
Innerhalb weniger Minuten nach dem Aufprall erzeugte er einen Vorhang aus Gestein und Meerwasser, der über 500 Meter hoch war — höher als das Mount-Rushmore-Denkmal. All dieses Material krachte zurück und erzeugte einen Tsunami von über 100 Metern Höhe.
Lass mich das wiederholen. Ein 100-Meter-Tsunami.
Zum Vergleich: Das ist höher als viele Wolkenkratzer. Wenn so etwas heute passieren würde, reden wir nicht von Küstenschäden — wir reden davon, dass ganze Städte von der Landkarte gefegt würden. Die gute Nachricht? Das passierte etwa 12 Millionen Jahre bevor die ersten Menschen überhaupt auf der Bildfläche erschienen, also mussten unsere Vorfahren dieses spezielle Desaster nicht überstehen.
Warum ist das überhaupt wichtig?
Du fragst dich vielleicht — okey, coole Geschichte, aber wen interessiert schon, was vor Millionen Jahren an einem Ort passiert ist, den die meisten von uns nie zu Gesicht bekommen werden?
Hier ist der Punkt: Die Erde wird viel häufiger von Himmelskörpern getroffen, als die meisten Menschen denken. Die meisten sind klein und verglühen in der Atmosphäre (das sind eure „Sternschnuppen"). Aber ab und zu kommt etwas Großes genug vor, um ernsthaften Schaden anzurichten.
Indem wir Krater wie Silverpit studieren, können Wissenschaftler besser verstehen, wie häufig solche Ereignisse auftreten, was dabei passiert und — hoffentlich — wie wir uns in Zukunft schützen könnten. Die NASA verfolgt bereits Objekte, die potenziell eine Gefahr für die Erde darstellen könnten, aber jeder Einschlagskrater, den wir untersuchen, erweitert unser Verständnis dessen, womit wir es zu tun haben.
Außerdem, seien wir ehrlich — das ist einfach eine unglaubliche Geschichte. Ein uralter Besucher aus dem All, ein verborgener Krater, jahrzehntelanger wissenschaftlicher Streit und schließlich der Beweis, dass Asteroiden tatsächlich auf die Erde einschlagen und geologische Narben hinterlassen, die Millionen von Jahren überdauern.
Es ist genau die Art von Geschichte, die dich den Nachthimmel mit anderen Augen betrachten lässt, oder?
Quelle: ScienceDaily