Endlich ein Smoker, der nicht das Konto plättet?
Ich sag's mal direkt: Ich bin kein Pitmaster. Klar, ich hab über die Jahre alles Mögliche geräuchert – von Ribs bis Lachs. Aber sonntägliches Smoken gehört nicht zu meinen Gewohnheiten. Ich bin eher der Wochenend-Krieger. Wenn ich Lust hab, will ich die Option haben zu smoken. Aber abends unter der Woche muss das Ding auch einfach nur Burger machen können.
Als der Oklahoma Joe's Laredo Deluxe bei mir gelandet ist, hatte ich eine brennende Frage (Wortspiel absolut beabsichtigt): Kann man vernünftige Smokergebnisse erzielen, ohne ein Vermögen auszugeben?
Vorspiel gelesen – größtenteils ja. Aber ich erzähl euch, was ich herausgefunden hab.
Erster Eindruck: Was kriegt man hier eigentlich?
Bevor es ans Eingemachte geht, klären wir erst mal, was ihr wirklich bekommt. Der Laredo Deluxe ist ein horizontaler Fassgrill, der mit Holzkohle läuft. Keine Elektronik, kein Gas, keine Pellets – einfach gute alte Kohle und Wood Chips.
Für um die 270 Euro (oft weniger im Angebot) landet ihr in der "Einsteiger-Preisklasse". Und das ist wichtig zu wissen: In der Preisklasse muss irgendwo gespart werden. Das Gehäuse besteht aus pulverbeschichtetem Stahlblech. Funktioniert, keine Frage. Aber wenn ihr in ner Region mit harten Wintern oder Dauerregen lebt, wird's nicht ewig halten. Eine gute Abdeckung und trockene Lagerung sind eure besten Freunde.
Die Features, die wirklich zählen
Hier wird's spannend. Der Laredo Deluxe ist nicht einfach nur ne Dose mit Deckel – er hat ein paar durchdachte Details, die Grillen und Smoken gleichermaßen angenehm machen.
Das Dreistufen-Kohlefach
Klingt langweilig, ich weiß. Aber hört mir zu. Die Möglichkeit, das Kohlefach rauf und runter zu fahren, verändert alles. Wollt ihr scharf anbraten für Burger und Steaks? Hoch damit. Lust auf Low-and-Slow bei 120°C? Nach unten damit. Diese einfache Verstellung verwandelt das Ding von einem Einheitsgrill in etwas, das ihr für jede Gelegenheit rauszieht.
Die Schiebetür vorne
Das war ein echter Gamechanger für mich. Auf Bodenhöhe gibt's ne kleine Tür, die aufschiebbar ist. Direkter Zugang zur Kohle – ohne Roste entfernen oder am Essen rumbasteln zu müssen. Ich hab die ständig benutzt. Kohle verteilen, wenn's zu heiß wurde. Nachlegen, wenn die Temperatur sank. Klingt nebensächlich, aber ständig mit heißen Rosten hantieren ist nervig und potenziell gefährlich. Dieses Design ergibt einfach Sinn.
Eingebautes Thermometer
Ihr kriegt ein Thermometer, das die Innentemperatur anzeigt. Beim Smoken unverzichtbar. Ich hab ständig draufgeschaut und über die seitliche Lüftungsklappe feinjustiert. Nix Besonderes, aber es funktioniert.
Der Praxistest: Brisket-Time
Genug über Features geredet – ab in die Praxis. Ich hab ein 1,5-Kilo-Brisket am Vorabend mit einer trockenen Rub gewürzt (Geduld ist ne Tugend beim Smoken). Dann: Holzkohle rein, Feuer dran.
Apfelholz-Chips für extra Geschmack. Deckel zu. Laufen lassen.
Das Ergebnis? Ziemlich lecker, ehrlich gesagt. Nach ein paar Stunden kam ein Brisket raus mit traumhafter Kruste – dem "Bark", über das BBQ-Fans schwärmen. Meine Kollegen haben es beim Mittagessen vernichtet. Keine Reste für mich.
War's perfekt? Nö. Rauch ist an der Stelle entwichen, wo Haube auf Basis trifft, und um den Kohlehebel rum. Nicht genug, um irgendwas zu ruinieren, aber erwähnenswert. Und ja – ihr müsst die Temperatur im Auge behalten und nachjustieren. Das ist kein Set-it-and-forget-it-Gerät wie manche Elektro-Smoker. Aber ehrlich? Die Hands-on-Arbeit hat mir sogar gefallen.
Ein kleiner Kritikpunkt: Der Zusammenbau
Beim Zusammenbau muss ich ganz ehrlich sein. Die Beine anzubringen war zäh, und eine Schraube hat's einfach nicht ins Gewinde geschafft. Außerdem musste ich die seitliche Lüftungsklappe mit nem Schraubenzieher festziehen, weil sie ständig von allein aufgegangen ist. Solche QC-Probleme direkt aus der Box – niemand freut sich darüber.
Aber sobald alles zusammengebaut war, fühlte es sich stabil an. Ich könnt mir vorstellen, das Ding ein paar Jahre zu nutzen, bevor ich mich nach was anderem umschaue.
Für wen ist das Ding?
Wenn ihr ein Gelegenheits-Griller seid und mal ins Smoken reinschnuppern wollt, ohne direkt 900 Euro fürn Highend-Offset-Smoker hinzulegen – dann ist das ne solid Wahl. Ihr kriegt knapp 7.500 cm² Grillfläche. Genug für Burger, Würstchen, und ja, auch mal ne ordentliche Brisket oder Rack Ribs, wenn's soweit ist.
Das Ding bringt euch die Grundlagen von Temperaturkontrolle und Rauchmanagement bei – ohne den Druck eines fancy Setups. Training wheels, die trotzdem leckeres Essen produzieren.
Wird's der letzte Grill eures Lebens sein? Vermutlich nicht. Aber als Ausgangspunkt ist's fantastisch. Ohne Frust, ohne Enttäuschung.
Das Fazit
Der Oklahoma Joe's Laredo Deluxe versucht nicht, mehr zu sein als er ist. Ein budgetfreundlicher Holzkohle-Grill/Smoker-Hybrid, der mit etwas Geduld und Aufmerksamkeit echte Ergebnisse liefert. Die durchdachten Features – dieses Kohlefach, die Schiebetür – machen ihn nicht nur erträglich, sondern wirklich angenehm in der Benutzung.
Wenn ihr neugierig aufs Smoken seid und keine großen Brötchen backen wollt, könnte das genau der richtige Einstieg sein. Euer nächstes Garten-BBQ wird's euch danken.