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Älteste Nordbritanin gefunden – und sie war gerade mal ein Kleinkind

Älteste Nordbritanin gefunden – und sie war gerade mal ein Kleinkind

2026-05-20T13:54:35.353007+00:00

Als die Höhle zur Zeitmaschine wurde

Vor 11.000 Jahren wurde ein kleines Kind in einer Höhle in Cumbria bestattet. Forscher haben jetzt die Überreste dieses Mädchens untersucht – und dabei etwas Besonderes entdeckt. Es handelt sich um eines der ältesten menschlichen Gräber Nordbritanniens.

Das Kind war etwa drei Jahre alt. Es lebte in der Mittelsteinzeit, als Menschen noch als Jäger und Sammler unterwegs waren. Keine Dörfer, kein Ackerbau. Nur Feuerstellen, Werkzeuge aus Stein und ein Leben, das ganz vom Rhythmus der Natur bestimmt war.

Moderne DNA-Analyse bringt Klarheit

Die Knochen allein verraten nicht, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelte. Erst durch DNA-Untersuchungen an der University of Lancashire wurde klar: Es war ein Mädchen. Solche präzisen Aussagen zu Alter und Geschlecht bei so alten Funden sind selten.

Dr. Rick Peterson, der die Studie leitete, betont: „Zum ersten Mal konnten wir das Alter eines Kindes so genau bestimmen und gleichzeitig sicher sagen, dass es ein Mädchen war.“

Ein Abschied mit Bedeutung

Die kleine Tote war nicht einfach abgelegt worden. Neben ihr lagen ein durchbohrter Hirschzahn und Perlen. Diese Dinge zeigen: Jemand hat sie bewusst mit auf die Reise genommen. Es war ein Abschied mit Absicht.

Peterson erklärt, dass Höhlen für die damaligen Menschen vielleicht eine besondere Bedeutung hatten. Viele Jäger-und-Sammler-Kulturen sehen Höhlen als Übergang in eine andere Welt. Das könnte erklären, warum gerade in Nordeuropa so viele frühe Bestattungen in Höhlen gefunden werden.

Ein Autodidakt mit Leidenschaft

Ohne Martin Stables wäre dieser Fund wahrscheinlich nie gemacht worden. Der Einheimische begann 2016, in der Nähe seines Heimatdorfes Great Urswick zu graben. Er hat keine offizielle Ausbildung als Archäologe, aber eine große Neugier auf die Geschichte seines Lebensraums.

Stables nannte das Mädchen „Ossick Lass“ – im örtlichen Dialekt für „Urswick-Mädchen“. Ihm ging es darum, die Tote mit dem Ort zu verbinden, an dem sie einst gelebt hatte. „Es ist fast zehn Jahre her, dass ich mit den Arbeiten begonnen habe“, sagt Stables. „Und ich konnte nicht erahnen, was für eine Reise das für mich werden würde.“

Eis und Erinnerung

In Nordbritannien sind alte Funde besonders selten. Während der letzten Eiszeit haben Gletscher große Teile der Landschaft zerschmettert. Deshalb finden sich mehr frühe Menschenspuren im Süden des Landes. Die „Ossick Lass“ ist jetzt der früheste bekannte Beleg für eine Bestattung in Nordbritannien.

Kurz davor erst wurde in der nahe gelegenen Kent’s Bank Cavern ein 10.000 Jahre oldes Grab gefunden. Dieses hier geht noch weiter zurück.

Eine Höhle mit vielen Geschichten

Die Höhle war kein Einzelfall. Es haben sich dort Menschen aus drei verschiedenen Epochen bestatten lassen: vor 11.000 Jahren, vor 5.500 Jahren und vor 4.000 Jahren. Insgesamt wurden Überreste von acht Personen gefunden. Alle Gräber waren bewusst angelegt – ein Zeichen dafür, dass die Höhle über Jahrtausende hinweg als Ort der Erinnerung galt.

Was uns die Geschichte lehrt

Die Geschichte der „Ossick Lass“ zeigt, dass Geschichte nicht nur von Königen und großen Ereignissen erzählt. Sondern auch von kleinen Menschen. Von Kindern, die vor langer Zeit gelebt und geliebt haben und nun durch DNA und die Arbeit eines leidenschaftlichen Archäologen wieder sichtbar werden.

Stables beschreibt es so: „Ich war der Erste, der nach 11.000 Jahren die fürsorgliche Bestattung eines Kindes miterleben konnte.“ Jetzt können wir alle davon berichten – und damit einen kleinen Teil unserer gemeinsamen Vergangenheit wiederbeleben.

Die Ergebnisse wurden im Proceedings of the Prehistoric Society Journal veröffentlicht.

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