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Atome drehen sich falsch – und plötzlich leuchten Kristalle auf

Atome drehen sich falsch – und plötzlich leuchten Kristalle auf

2026-05-24T10:26:14.351727+00:00

Ein Rätsel, das Physiker seit über hundert Jahren beschäftigt

Stell dir vor, du drehst ein Fahrradrad schnell an. Plötzlich spürst du, wie es sich eigenwillig verhält. Genau das ist Drehimpuls – eine der grundlegenden Größen in der Physik. Schon 1915 haben Einstein und de Haas gezeigt, dass Magnetismus und Drehbewegung eng zusammenhängen. Trotzdem blieb eine Frage offen: Wie wandert dieser Drehimpuls eigentlich durch ein festes Material, von Atom zu Atom? Bisher konnte das niemand direkt beobachten.

Jetzt ist das anders.

Laser, die Atome in Schwingung versetzen

Ein internationales Team hat mit extrem starken Terahertz-Laserpulsen in einen Kristall hineingeschaut. Sie haben die Atome gezielt zum Schwingen gebracht – und zwar so, dass sie sich kreisförmig bewegen. Mit einem zweiten Laserimpuls haben die Forscher dann verfolgt, wie sich diese Bewegung auf benachbarte Atome ausbreitet. Das Ganze lief in Echtzeit ab.

Die überraschende Drehrichtung

Und hier wird es seltsam. Sobald der Drehimpuls von einer Schwingung auf die nächste überging, änderte er seine Richtung. Aus einer Drehung im Uhrzeigersinn wurde plötzlich eine gegenläufige Bewegung. Das klingt erst einmal unmöglich – ist aber durch die Symmetrie des Kristalls erklärbar. In manchen Kristallen sind beide Drehrichtungen physikalisch gleichwertig. Der Drehimpuls wechselt einfach zwischen diesen beiden Zuständen, und das sieht für uns wie eine Umkehrung aus.

Wenn 1 + 1 = −1 gilt

Bei dem verwendeten Material – Wismutselenid – passierte noch etwas Ungewöhnliches. Zwei Einheiten Drehimpuls vereinigten sich zu einer einzigen Rotation, die doppelt so schnell und in die entgegengesetzte Richtung lief. Die Forscher sprechen von einem sogenannten Umklapp-Prozess. Solche Prozesse kannte man bereits aus anderen Bereichen der Physik, doch hier wurde er zum ersten Mal direkt am Drehimpuls im Kristallgitter beobachtet.

Warum das wichtig ist

Die Beobachtung hilft dabei, Quantenmaterialien besser zu verstehen und ultraschnelle Vorgänge gezielter zu steuern. Langfristig könnten daraus neue Bauelemente für Quantencomputer oder verbesserte Speichertechnologien entstehen. Doch jenseits aller Anwendungen zeigt das Experiment vor allem eines: Die Natur folgt Regeln, die erstaunlich elegant und symmetrisch sind. Wie eine der beteiligten Forscherinnen sagt – die Gesetze der Physik werden direkt von den Symmetrien der Natur bestimmt.

Fazit

Über ein Jahrhundert lang war klar, dass Drehimpuls und Magnetismus zusammenhängen. Jetzt haben Wissenschaftler zum ersten Mal gesehen, wie sich dieser Drehimpuls durch Materie bewegt – und dabei eine unerwartete Wendung entdeckt. Manchmal muss man die Regeln einfach nur in Aktion erleben, um sie wirklich zu verstehen.

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