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Aus Regenhäuten ein Floß bauen – der raffinierte Ausbruch

Aus Regenhäuten ein Floß bauen – der raffinierte Ausbruch

2026-05-22T15:38:59.597496+00:00

Die Nacht, als Alcatraz seine „ausbruchssichere“ Gefängnis verlor

Stell dir vor: Du sitzt in einer Hochsicherheitszelle auf einer Insel. Ringsum kaltes Wasser, starke Strömungen. Das FBI hatte dem Kongress noch erklärt, ein Ausbruch sei so gut wie unmöglich. Und dann bauen drei Männer aus Regenmänteln ein Floß.

Genau das geschah am 11. Juni 1962. Frank Morris und die Brüder John und Clarence Anglin sorgten damit für einen der spektakulärsten Ausbrüche der US-Geschichte.

Die Vorbereitung: Gipsköpfe und ein Bohrer aus dem Staubsauger

Die drei hatten keine richtigen Werkzeuge. Also bauten sie sich einen Bohrer aus dem Motor eines alten Staubsaugers. Monatelang arbeiteten sie leise an den Lüftungsschlitzen in ihren Zellen. Immer dann, wenn die Wachen gerade nicht hinschauten.

Parallel bauten sie drei Köpfe aus Gips, Farbe und echten Haaren. Bei den Nachtkontrollen sahen die Wachen nur schlafende Gefangene. Die Köpfe taten ihren Job.

Als die Zellen offen waren, krochen sie in einen verborgenen Gang, kletterten hoch und gelangten schließlich aufs Dach. Jetzt kam der schwierigste Teil: weg von der Insel.

Das Floß aus 50 Regenmänteln

Im Hof trugen die Häftlinge graue Regenmäntel. Niemand achtete darauf. Die drei sammelten sie heimlich. Über Monate kamen rund 50 Stück zusammen. Sie schnitten die Mäntel auseinander, klebten und vernähten die Stücke und versiegelten die Nähte mit Wärme von den Dampfheizungen.

Heraus kam ein stabiles Floß – etwa zwei mal vier Meter groß, wasserdicht und schwimmfähig.

Hilfe aus alten Zeitschriften

Die Idee dazu kam nicht von allein. In der Gefängnisbibliothek lagen alte Hefte von Popular Mechanics. Zwei Ausgaben waren besonders wichtig: Eine vom März 1962 zum Thema Schwimmkörper und eine vom November 1960, die Anleitungen zum Vulkanisieren von Gummi enthielt. Die Zensur hatte sie übersehen.

Daraus lernten die Männer, wie man Gummiteile luftdicht verbindet – mit Gummikitt, den sie heimlich aus der Gefängniswerkstatt besorgten.

Was wirklich passiert ist

Ob das Floß hielt und die drei die Bucht überquerten, weiß niemand genau. Die Behörden gehen von Ertrinken aus. Die Bucht war kalt, die Strömung gefährlich. Aber einige Hinweise sprechen dafür, dass sie es bis Angel Island oder sogar aufs Festland schafften. Bis heute gibt es keine endgültige Antwort.

Was uns diese Geschichte zeigt

Nicht ob die drei überlebten ist entscheidend. Sondern wie sie es anstellten. Sie brauchten Geduld, Kreativität und die Fähigkeit, aus Alltagsdingen Werkzeuge zu machen. Regenmäntel, Gummikitt, ein alter Motor – und etwas Wissen aus alten Zeitschriften.

Ein vierter Mann, Allen West, war Teil des Plans, kam aber nicht rechtzeitig aus seiner Zelle heraus. Ein kleines, trauriges Detail, zeigt doch, wie knapp es war.

Alcatraz sollte undurchdringlich sein. Doch drei Männer fanden einen Weg. Ihre Geschichte zeigt: Auch in scheinbar ausweglosen Situationen kann menschlicher Einfallsreichtum überraschen.

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