Warum der Klimawandel vor allem unsere Kinder trifft
Mal ehrlich: Der Klimawandel nervt mich schon eine Weile. Aber wisst ihr, was mich wirklich umhaut? Die neuesten Zahlen aus einer Studie, die gerade im Fachblatt Science Advances veröffentlicht wurde.
Stellt euch folgendes vor: Ein Kind wächst auf – sagen wir in Nigeria, Bangladesch oder Brasilien. Dieses Kind hat den Klimawandel nicht verursacht. Kann wahrscheinlich nicht mal erklären, was das wissenschaftlich genau bedeutet. Aber laut dieser Studie wird genau dieses Kind mit einem richtig miesen Deal bestraft, wenn es um unsere erwärmte Erde geht.
Konkret? Ein ganzer Monat extra mit brutaler, schweißtreibender, gefährlicher Hitze. Jedes Jahr.
Ja. Lest das nochmal. Jedes einzelne Jahr.
Die Kleinsten trifft es am härtesten
Was steckt hinter diesen Zahlen? Forscherinnen und Forscher nutzen mittlerweile etwas, das sich Attributionswissenschaft nennt – im Grunde genommen。研究, mit der man dem Klimawandel konkrete Wetterereignisse oder Trends in die Schuhe schieben kann. Und die Ergebnisse dieser neuen Studie sind echt beunruhigend.
Die Forschenden haben untersucht, wie sich der Klimawandel auf sogenannte feuchte Hitzebelastung auswirkt – und die ist übrigens deutlich schlimmer als trockene Hitze. Unser Körper kühlt sich durch Schwitzen ab. Wenn die Luft aber bereits mega feucht ist, macht unser Schwitzmechanismus schlapp.
Die Ergebnisse? Wenn wir die kritische Schwelle von 1,5 Grad Celsius überschreiten – was laut UN praktisch unausweichlich ist – müssen rund 620 Millionen Kinder im Alter von 0 bis 9 Jahren mit einem zusätzlichen Monat feuchter Hitzebelastung pro Jahr klarkommen. Gehen wir auf 2 Grad Celsius, sind es sogar 650 Millionen Kinder.
Zum Vergleich: Das ist etwa dreimal so viel Belastung wie bei Erwachsenen in ihren 60ern. Dreimal! Das ist kein kleiner Unterschied, das ist ein krasser Unterschied.
Wo leben diese Kinder? Und warum ist das so?
Jetzt wird es richtig frustrierend.
Die am stärksten betroffenen Regionen? Sie liegen im globalen Süden. Länder in Afrika, Südasien, Südostasien. Und genau dort leben einige der jüngsten Bevölkerungen überhaupt.
Wir haben also eine Situation, in der die Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben (weil sie nicht jahrzehntelang industrialisiert und fossilen Brennstoffe verbrannt haben), nun die Kinder beherbergen, die die größte Last tragen müssen.
Das nenne ich mal ein mieses Geschäft.
Und da ist noch eine Schicht obendrauf: Viele dieser Länder haben keinen breiten Zugang zu Klimaanlagen oder Kühlzentren. Wenn meine Kumpels in Arizona über Sommerhitze jammern, können sie wenigstens die Klimaanlage aufdrehen. Für Millionen von Familien in diesen Regionen ist das schlicht keine Option.
Warum sind Kinder so verwundbar?
Ihr fragt euch vielleicht – und das ist eine völlig berechtigte Frage – warum Kinder eigentlich so stark unter dieser Hitze leiden.
Nun, Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene. Ihre Körper funktionieren anders, und zwar in einer Weise, die sie anfälliger für Hitzestress macht:
- Kinderkörper erwärmen sich schneller als Erwachsenenkörper
- Ihre Schweißdrüsen und Nervensysteme sind noch nicht vollständig entwickelt, weshalb sie sich nicht so effizient abkühlen können
- Sie sind kleiner – klingt widersprüchlich, bedeutet aber, dass ihr Körper schneller Wärme aufnimmt
- Sie sind auf Erwachsene angewiesen, die ihnen aus gefährlichen Situationen helfen – und manchmal fehlen diesen Erwachsenen die Ressourcen oder das Wissen
Die Forschenden hinter der Studie erwähnen sogar, dass diese zusätzliche Hitzebelastung zu Lern- und Entwicklungsbeeinträchtigungen führen könnte. Lasst das einen Moment sacken. Es geht hier nicht nur um Unbehagen. Es geht um mögliche langfristige Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung einer ganzen Generation.
Was können wir also tun?
Die leitende Forscherin, Klimawissenschaftlerin Rosa Pietroiusti von der Vrije Universiteit Brussel, war ziemlich deutlich: politische Entscheidungsträger müssen die fossilen Emissionen drastisch reduzieren. Am besten gestern. Und reiche Länder müssen es mit der Klimafinanzierung ernst meinen – sprich: wohlhabende Nationen müssen ärmeren beim Anpassen an diese Veränderungen helfen.
Aber es gibt auch praktische Maßnahmen, die helfen könnten:
- Schulpläne überdenken, damit Kinder nicht im heißesten Teil des Tages zur Schule laufen
- Urbane Begrünungsprojekte, die natürliche Kühlzonen schaffen
- Reflektierende Dachmaterialien, die weniger Wärme aufnehmen
- Bessere Gesundheitssysteme, die auf hitzebedingte Notfälle reagieren können
- Aufklärung über Hitzerisiken, damit Familien wissen, wie sie sich schützen können
Das sind keine Raketenwissenschaft-Lösungen. Oft sind es einfache, praktische Veränderungen, die lediglich Investitionen und politischen Willen erfordern.
Meine Meinung
Ich habe schon viel über Klimawandel geschrieben, und manchmal verschwimmen die Studien ineinander. Aber diese hier hat mich aufhorchen lassen.
Denn es geht hier nicht um eine ferne Zukunft. Nicht um Eisbären oder Korallenriffe (auch wenn die wichtig sind). Es geht um reale Kinder, die jetzt leben – Kinder, die zur Schule gehen, Lesen lernen, Freundschaften schließen, herausfinden, wer sie sind – und die ein schwierigeres Leben bekommen, weil Entscheidungen getroffen wurden, bevor sie überhaupt auf der Welt waren.
Die Welt war beim Handeln gegen den Klimawandel aus vielen Gründen langsam. Aber wenn es einen Grund gibt, der uns endlich in den Hintern treten sollte, dann dieser: Wir sprechen nicht nur vom Schutz der Zukunft. Wir sprechen vom Schutz der Gegenwart – von Kindern, die bereits hier sind und bereits mit Konsequenzen klarkommen müssen, die sie nicht verursacht haben.
Also ja. Hoffen wir, dass unsere Führungspersonen zuhören. Denn diese 620 Millionen Kinder haben keine Zeit zu warten.