Science & Technology
← Home
Das widerliche Hotel, das James Buchanan vor seiner Amtseinführung zum Bluten brachte

Das widerliche Hotel, das James Buchanan vor seiner Amtseinführung zum Bluten brachte

2026-06-27T16:25:11.111170+00:00

Passiert ist aber trotzdem...

Ich erzähle euch heute eine Geschichte, die so eklig ist, dass sie in keinem Geschichtsbuch auftaucht – obwohl sie einen amerikanischen Präsidenten das Leben kosten sollte.

Stellt euch vor: Es ist Anfang 1857. James Buchanan hat gerade die Wahl gewonnen und bereitet sich darauf vor, der 15. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Er residiert im National Hotel in Washington D.C. – das nobelste Haus der Stadt, Treffpunkt der Südstaaten-Elite. Stimmung: ausgelassen.

Nur Buchanan selbst fühlt sich alles andere als feierlich.

Denn er kotzt Blut in seinem Hotelzimmer.

Und er ist nicht der Einzige.

Eine rätselhafte Seuche breitet sich im vornehmsten Hotel der Stadt aus

Das ist das Verrückte an der Sache: Wochen vor der Amtseinführung reisen Buchanan und sein Gefolge an – und alle werden krank. Richtig krank. Heftiges Erbrechen, blutige Symptome, das volle Programm.

Dann scheint es besser zu werden. Die Leute erholen sich, das Leben geht weiter. Man denkt sich: probably just schlechte Lebensmittel oder eine Grippewelle.

Pustekuchen.

Als Buchanan und Hunderte von Unterstützern Anfang März für die Feierlichkeiten zurückkehren, schlägt die Krankheit erneut zu. Diesmal um ein Vielfaches schlimmer.

Das prunkvollste Hotel Amerikas wird zum Seuchenherd

Jetzt wird's richtig faszinierend – und mit faszinierend meine ich:从来没见过的恐怖.

Der Winter 1857 war besonders brutal gewesen. Und unter der schönen Fassade des National Hotels liefen die Dinge quietly in Schieflage. Die ekligen Details, die niemand sehen wollte: Rohre mit Rissen, Ratten überall, Senkgruben, die unter dem Fundament vor sich hin modern.

Manche Gäste bemerkten einen verdächtigen Geruch in den Fluren. Aber da es sich um kultivierte Bürger des 19. Jahrhunderts handelte, hielten sie sich wahrscheinlich Dufttücher vor die Nase und dachten: "Na ja, der Winter endet, das tauen jetzt alles auf. Das ist bestimmt normal."

Oh, wie falsch sie lagen.

Als der gefrorene Schlamm endlich auftaute, kam etwas aus dem Gemisch aus Abfall, toten Ratten und Gott weiß was zum Vorschein. Und plötzlich verwandelte sich das renommierteste Hotel Washingtons in einen Albtraum.

Buchanan wäre beinahe gestorben – sein "Adoptivsohn" hat es nicht geschafft

Die Krankheit kannte keine Standesunterschiede. Hochadelige und Bedienstete in den Kellergeschossen – alle wurden von heftigsten Magen-Darm-Attacken getroffen.

Buchanan selbst war so verkrampft, dass er sich vor Schmerzen krümmte und nach Luft rang. Sein Neffe und Privatsekretär, Elliot Eskridge Lane – den Buchanan angeblich wie einen Sohn behandelte – gehörte zu den am schlimmsten Betroffenen.

Als der frisch gewählte Präsident am nächsten Morgen seine Antrittsrede halten wollte, sagten Zeugen: Er sah aus wie ein Wrack. Blass, ausgelaugt, kaum noch auf den Beinen.

Lane starb. Ebenso knapp drei Dutzend andere Menschen. Hunderte wurden krank.

Die Ärzte tappten komplett im Dunkeln

Das ist einer der spannendsten Aspekte dieser Geschichte, weil er zeigt, wie weit wir in der Medizin gekommen sind.

Die Ärzte, die herbeieilten, hatten nicht den blassesten Schimmer, was los war. Manche vermuteten Typhus. Andere dachten an verschiedene Formen von Magen-Darm-Entzündungen. Einige altmodische Mediziner verschrieben Kalomel – Quecksilberchlorid, das "schlechte Säfte" durch zusätzliches Erbrechen "reinigen" sollte.

Überraschenderweise verschlechterte diese "Behandlung" die Situation oft und beschleunigte manchmal sogar den Tod. Autsch.

Die populäre Theorie der Zeit war "Miasma" – die Idee, dass "schlechte Luft" Krankheiten verursacht. Natürlich falsch, aber irgendwie nicht völlig daneben. Die Miasma-Anhänger verstanden wenigstens, dass etwas in der Umgebung die Menschen krank machte. Sie wussten nur nicht, dass es tatsächlich Keime, Bakterien und Parasiten waren, die in diesem auftauenden Schlamm lauerten.

Verschwörungstheorien ließen nicht lange auf sich warten

Weil das ja immer so läuft.

Ohne klare Diagnose tauften die Zeitungen das Ganze kurzerhand "National Hotel Disease". Passanten gingen auf die andere Straßenseite, nur um am Gebäude vorbeizulaufen.

Und dann kamen die wilden Theorien. Manche behaupteten tatsächlich, es sei ein Attentatsversuch gewesen – und machten frei lebende Afroamerikaner verantwortlich (die nachweislich nicht in der Küche des Hotels gearbeitet hatten, aber Fakten waren damals schon zweitrangig). Diese Theorie zerfiel schnell, als man erkannte, dass Buchanans Vizepräsident John C. Breckenridge ebenso sympäthisch zu den Südstaaten stand – also hätte ein Anschlag auf Buchanan den Abolitionisten nichts gebracht.

Andere mutmaßten über Gift – speziell Arsen, das leicht zu beschaffen war, weil es häufig als Rattengift eingesetzt wurde. Die Symptome ähnelten tatsächlich einer Arsenvergiftung, und sowohl bei Lebenden als auch bei Obduktionen zeigten sich verstörende Parallelen.

Aber hier ist der Haken: Wir werden nie mit Sicherheit wissen, was die National Hotel Disease wirklich verursacht hat. Die Beweislage ist lückenhaft, und Historiker sowie Wissenschaftler streiten sich bis heute darüber.

Was uns diese Geschichte sagt

Ich liebe diese Episode, weil sie ein Fenster in eine andere Zeit aufstößt.

1857 tappten Ärzte noch im Dunkeln. Die Wissenschaft stand etwa ein Jahrzehnt vor Louis Pasteurs Durchbruch mit der Keimtheorie. Städte waren nach modernen Maßstäben unvorstellbar dreckig – Kanalisation existierte kaum, Hygiene war ein Fremdwort, und die Idee, dass unsichtbare Organismen krank machen könnten, galt als lächerlich.

Das National Hotel war nicht einmal besonders verwahrlost für seine Zeit. Es war lediglich der Ort, an dem alles zusammenkam: ein strenger Winter, marode Bausubstanz, und Hunderte zugereister Gäste ohne jede Immunität gegen das, was dort lauerte.

Amerika stand außerdem am Rand einer Katastrophe. Nur wenige Jahre später würde der Bürgerkrieg ausbrechen, und Buchanan – ein Nordstaatler mit tiefen Sympathien für den Süden – würde als einer der wirkungslosesten Präsidenten aller Zeiten in die Geschichte eingehen.

Aber an diesem Märztag 1857 bestand seine größte Herausforderung darin, seine Antrittsrede zu überstehen, ohne angesichts der Nachwirkungen dessen, was sein Hotel heimgesucht hatte, das Bewusstsein zu verlieren.

Eine eklige, faszinierende und zutiefst unheimliche Episode der amerikanischen Geschichte, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Und ehrlich? Sie lässt mich unsere moderne Kanalisation und die Keimtheorie doch etwas mehr schätzen.

#historical mysteries #presidential history #1850s america #disease outbreaks #gross history #washington d.c. #james buchanan #public health history