Land versinkt im Meer? Das unterschätzte Problem unter unseren Füßen
Mal ehrlich – über den steigenden Meeresspiegel redet jeder. Klar, das Thema ist wichtig. Aber es gibt da noch etwas, das kaum jemand auf dem Schirm hat: In vielen Küstenregionen dieser Welt senkt sich der Boden selbst ab. Und das macht die Sache gleich doppelt so ernst.
Forscher der Technischen Universität München und der Tulane University haben Daten veröffentlicht, die mich doch ziemlich nachdenklich gemacht haben. Das Ergebnis: In dicht besiedelten Küstengebieten erleben die Menschen einen relativen Meeresspiegelanstieg von etwa sechs Millimetern pro Jahr. Klingt wenig? Ein Fingernagel, mehr nicht? Stimmt.
Nur – das ist fast dreimal so viel wie der globale Durchschnitt. Und fast das Doppelte von dem, was der Klimawandel allein erklären würde. Der Unterschied liegt buchstäblich unter unseren Füßen: Der Untergrund sackt ab.
Warum passiert das überhaupt?
Hier wird es spannend – und ja, auch ein bisschen kompliziert.
Die Gründe sind vielfältig, und oft wirken gleich mehrere zusammen. Die wichtigsten:
Grundwasser, das wie verrückt abgepumpt wird – Zieht man Wasser aus unterirdischen Reservoirs, kann der Boden darüber zusammenbrechen und sich verdichten. Stellt euch vor, ihr drückt einen Schwamm zusammen. Er wird dünner. Genauso ist das mit dem Erdreich.
Öl und Gas fördern – Dasselbe Prinzip, andere Ressource.
Alte Flussdelta-Materialien – Viele Großstädte liegen auf Flussdeltas, wo sich über Jahrtausende Sand, Schluff und Ton abgelagert haben. Diese Schichten verdichten sich noch immer – wie eine Matratze, die noch nicht ganz eingelegen ist.
Das Gewicht der Städte selbst – Gebäude, Straßen, Infrastruktur – das alles ist schwer. Sehr schwer. Und drückt die Erde darunter zusammen.
Natürliche geologische Prozesse – Tektonische Bewegungen oder Anpassungen der Erdkruste nach der letzten Eiszeit.
Was dabei wirklich verrückt ist: Einiges davon ist naturgegeben, anderes machen wir Menschen. Heißt im Klartext: Bei zumindest einem Teil des Problems haben wir es selbst in der Hand.
Die betroffenen Länder
Die Studie benennt mehrere Länder, in denen das Problem besonders dramatisch ist. Thailand, Bangladesch, Nigeria, Ägypten, China und Indonesien verzeichnen einen relativen Meeresspiegelanstieg von sieben bis zehn Millimetern pro Jahr – wenn man die Bevölkerungsdichte einbezieht.
Auch die USA, die Niederlande und Italien kämpfen mit erhöhten Raten von etwa vier bis fünf Millimetern jährlich.
Aber jetzt kommt's: Einige Städte sinken wirklich wie Steine im Wasser.
Städte im freien Fall
Jakarta, Indonesien: Durchschnittlich 13,7 Millimeter pro Jahr, in manchen Vierteln bis zu 42 Millimeter. Das sind mehr als vier Zentimeter jährlich an den am stärksten betroffenen Stellen. Kein Wunder, dass Indonesien beschlossen hat, die Hauptstadt zu verlegen!
Tianjin, China: 13,5 Millimeter pro Jahr
Bangkok, Thailand: 8,5 Millimeter pro Jahr – Bangkok steht auf weichem, sumpfigem Boden und versinkt buchstäblich
Lagos, Nigeria: 6,7 Millimeter pro Jahr
Alexandria, Ägypten: 4 Millimeter pro Jahr
Das wirklich Faszinierende: Innerhalb ein und derselben Stadt bewegen sich verschiedene Viertel in entgegengesetzte Richtungen. In Jakarta gibt es Gebiete, die um 42 Millimeter pro Jahr sinken, während andere Teile der Stadt tatsächlich steigen. Ein geologisches Tauziehen.
Aber es gibt auch gute Nachrichten
Ich will euch nicht mit düsteren Aussichten allein lassen, denn hier wird es wirklich ermutigend: Wir haben das Problem in manchen Gegenden bereits gelöst.
Tokio ist das beste Beispiel. Früher sank die Stadt mit über zehn Zentimetern pro Jahr – manche Viertel sogar mit 24 Zentimetern! Stellt euch vor, ihr schaut zu, wie eure Stadt in den Boden verschwindet.
Was ist passiert? Die Regierung hat eingegriffen. Alternative Wasserversorgung wurde aufgebaut, die Grundwassernutzung reguliert. Und die Absenkungsrate ist dramatisch gesunken.
Ähnlich erging es dem Harris-Galveston-Gebiet in Texas. Übermäßige Grundwasserentnahme ließ das Land einsinken. Also schufen sie 1975 einen Wasserverband, der die Nutzung regulierte, Sparmaßnahmen förderte und alternative Quellen erschloss. Es hat funktioniert.
Die Lehre daraus? Natürliche Prozesse wie tektonische Bewegungen oder die postglaziale Landhebung können wir nicht kontrollieren – entschuldigung, Schweden und Finnland, ihr profitiert sogar davon. Aber wie wir mit Grundwasser umgehen, das liegt in unserer Hand.
Was bedeutet das für uns?
Ehrlich gesagt sollte uns diese Forschung aufrütteln. Wir haben nicht nur ein Meeresspiegelproblem. Wir haben in vielen der am dichtesten besiedelten Küstenregionen der Welt ein Bodenproblem.
Mehr als 500 Millionen Menschen leben in diesen gefährdeten Zonen. Viele davon in Megastädten mit Millionen Einwohnern, Wirtschaftszentren und unwiederbringlichem kulturellem Erbe.
Die gute Nachricht: Die Forschungsgruppe hofft, dass ihre Erkenntnisse lokalen Regierungen helfen, bessere Entscheidungen über Landnutzung und Wassermanagement zu treffen. Wenn man genau weiß, wo das Problem am schlimmsten ist, kann man gezielt eingreifen.
Also, das nächste Mal, wenn ihr von steigenden Meeren hört: Denkt daran – es ist nicht immer nur das Wasser. Manchmal arbeitet der Boden selbst gegen uns.
Aber im Gegensatz zum riesigen Ozean können wir beim Boden tatsächlich etwas tun. Und das sollten wir uns auf jeden Fall merken.
Quelle: ScienceDaily