Der Betrüger-Einsiedler, der alle täuschte
Stellt euch vor: Anfang des 18. Jahrhunderts wütet die Pest in Osteuropa. Die Leute sind am Ende. Da taucht Antoni Jaczewicz auf. Er zieht sich in die Świętokrzyskie-Berge zurück und behauptet, er könne heilen – dank direkter Verbindung zur Jungfrau Maria. Sie lebe quasi bei ihm im Wald und verleihe ihm übernatürliche Kräfte.
Die Menschen kauften es ihm ab. Und schickten Goldmünzen.
Vom Scharlatan zum Räuberfürsten
Aus dem frommen Betrug wurde schnell kriminelles Business. Jaczewicz kassierte nicht mehr nur Spenden von Pilgern. Er stellte bewaffnete Wächter ein, um seinen Reichtum zu hüten. Bald schickte er sie los: Sie überfielen Wanderer und plünderten Gutshöfe reicher Adliger.
In kürzester Zeit stieg er zum Boss einer Verbrecherbande auf. Fast bewundernswert dreist – wenn es nicht so finster wäre.
Festgenommen, entkommen, endgültig gepackt
Die Behörden kamen ihm auf die Schliche, doch er entwischte beim ersten Mal. Beim zweiten Versuch scheiterte das. 1712, nur vier Jahre nach dem Start seiner Operation, landete er lebenslänglich im Knast. Aus und vorbei?
Von wegen.
Wo ist der Schatz geblieben?
Das große Rätsel: Der Typ saß, seine Bande zerfiel – aber der Hort verschwand spurlos. Über 300 Jahre blieb er verschollen.
Bis vor Kurzem.
Der große Fund
Die Świętokrzyskie-Erkundungsgruppe grub seit sieben Jahren systematisch in den Bergen. Etwa 180 Kilometer südlich von Warschau zahlte sich die Mühe aus. Sie stießen auf Hunderte Münzen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in mehreren Verstecken vergraben.
Dazu gehörten Orte, Sechser, Patagons und russische Kopeken. Highlight: Ein Goldener Hamburg-Dukat von 1648 mit Madonna und Kind. Jemand hatte ein Loch reingestochen – als Anhänger getragen.
Was der Fund verrät
Der Clou ist nicht nur das Alter des Geldes. Diese Münzen sind Beweis für Jaczewicz' Gaunereien: Spenden naiver Gläubiger plus Raubgut von Edelleuten. Archäologie pur – ein Stück Betrugsgeschichte, eingemauert im Boden.
Jetzt untersucht das Historisch-Archäologische Museum in Ostrowiec Świętokrzyski die Stücke. Experten prüfen Herkunft und Hintergründe dieses skurrilen Kapitels polnischer Vergangenheit.
Es könnte mehr geben
Und das Beste: Die Suche läuft weiter. Behörden tippen auf weitere Depots in der Nähe. Wenn so viel schon rauskommt, schlummert vielleicht noch mehr da unten. Die Sage um Antoni Jaczewicz hat noch nicht ausgesungen.
Ein Schwindler aus der Geschichte hinterließ ein Rätsel, das 300 Jahre hielt. Und die Story schreibt sich offenbar fort.