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Die Geister der Franklin-Expedition sind endlich heimgekehrt

Die Geister der Franklin-Expedition sind endlich heimgekehrt

2026-09-12T21:03:40.176321+00:00

Die Rückkehr der namenlosen Seeleute

Manchmal stößt man auf Geschichten, die einen nicht mehr loslassen. Die Franklin-Expedition ist so eine Geschichte – und sie hat mich regelrecht gefesselt.

Das Desaster in der Arktis

Stell dir vor: Es ist 1848. Zwei gewaltige britische Schiffe, die HMS Erebus und die HMS Terror, stecken im arktischen Eis fest. Eingeschlossen. Seit fast zwei Jahren. Etwa 105 Überlebende – ausgehungert, halb erfroren, verzweifelt – verlassen ihre Schiffe und schleifen Boote über das gefrorene Nichts. Sie wollen nach Süden, nach Leben.

Keiner von ihnen kommt an.

Die Franklin-Expedition ist eines der tragischsten Kapitel der Entdeckungsgeschichte. Und jahrzehntelang blieben die meisten Opfer unbenannt. Irgendwo in der kanadischen Arktis lagen Knochen im Permafrost – ohne Namen, ohne Geschichte.

Der rätselhafte Fund von 1859

Hier wird es richtig spannend.

1859 fand man eine Leiche. Bei ihr: Dokumente eines Mannes namens Harry Peglar. Handschriftliche Aufzeichnungen, sogar Gedichte. Für Historiker war das Gold wert – originale Zeugnisse von der Expedition sind extrem selten.

Aber da stimmte etwas nicht. Die persönlichen Gegenstände passten nicht zu Peglars Rang als Vormann der Marssay. Über 166 Jahre lang rätselte man: War das wirklich Peglar? Oder jemand anderes?

Jetzt haben Forscher der University of Waterloo die Antwort. Per DNA-Analyse. Es war tatsächlich Peglar.

Vier Seeleute bekommen ihre Namen zurück

Das Team hat noch weiter geforscht und insgesamt vier identifiziert:

  • Harry Peglar von der HMS Terror (130 Kilometer von den anderen Fundorten entfernt)
  • William Orren, David Young und John Bridgens von der HMS Erebus

Alle vier starben beim Versuch, nach dem Verlassen der Schiffe zu fliehen. Und hier wird es emotional: Drei von ihnen überlebten die ersten drei Jahre der Expedition, bevor sie starben. Diese Menschen haben nicht früh aufgegeben – sie haben am längsten durchgehalten.

Drei Jahre Eis-Hölle. Und bis zum Schluss kämpften sie.

Der BBC-Journalist und sein Urahn

Okay, jetzt kommt der Moment, der mich wirklich umgehauen hat.

Einer der identifizierten Seeleute war John Bridgens. Und zufällig ist Rich Preston, Journalist bei BBC News, sein direkter Nachkomme.

Stell dir das vor: Du drehst Sendungen über Familiengeschichten – und dann stellt sich heraus, dass deine eigene Familie eine der berühmtesten Tragödien der Entdeckungsgeschichte trägt.

Als Dr. Stenton ihn kontaktierte, konnte Preston es kaum glauben. Seine DNA stimmte mit einem Seemann der verfluchten Franklin-Expedition überein.

Wie funktioniert das eigentlich?

Für alle, die sich fragen, wie die Wissenschaftler das gemacht haben:

Sie extrahierten DNA aus Skelettfunden und verglichen sie mit mitochondrialer DNA (die über die Mutter vererbt wird) und Y-Chromosom-DNA (über den Vater) von lebenden Nachkommen. Bei allen vier Identifikationen fanden die Forscher den sogenannten „genetischen Abstand Null" – so nah an einer hundertprozentigen Übereinstimmung wie möglich.

Der Haken: Man braucht eine lückenlose Abstammungslinie. Direkt mütterlich oder väterlich zurück bis in die 1840er Jahre. Die Forscher suchen noch nach weiteren Nachkommen, die Proben spenden könnten.

Warum das wichtig ist

Klar, das klingt erstmal nach einem weiteren Wissenschaftsartikel. Aber dahinter steckt mehr.

Über ein Jahrhundert lang waren das anonyme Knochen. Jetzt haben sie Namen. Familien können endlich erfahren, was mit ihren Vorfahren geschah. Wo sie starben. Neben wem sie starben. Menschen, die jahrzehntelang keine Antworten hatten, bekommen endlich Abschluss.

Und für uns alle? Es ist eine Erinnerung daran, dass hinter jedem historischen Drama echte Menschen standen. Mit echten Hoffnungen. Mit echten Ängsten.

Harry Peglar schrieb Gedichte in seinen letzten Tagen. John Bridgens hatte einen Ur-Ur-Ur-Enkel, der eines Tages für die BBC arbeiten würde.

Das sind keine Geister mehr. Sie sind endlich nach Hause gekommen.

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