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Dieses Nahrungsergänzungsmittel aus deiner Sporttasche könnte auch deinem Gehirn helfen

Dieses Nahrungsergänzungsmittel aus deiner Sporttasche könnte auch deinem Gehirn helfen

2026-07-02T14:00:59.267037+00:00

Kreatin und Depression: Was steckt hinter dem Hype?

Ihr kennt das vielleicht: Dieses eine Thema, über das man stolpert und das einen komplett überrascht.

Kreatin. Genau das Kreatin – das Pulver, das Millionen von Menschen in ihre Shakes mixen, um größere Bizepse und schnellere Sprintzeiten zu erreichen. Forscher fragen sich jetzt, ob es vielleicht auch in eurem Kopf etwas Interessantes bewirken könnte.

Ein Forschungsteam der University of Ottawa hat gerade eine systematische Übersichtsarbeit veröffentlicht. Die zentrale Frage: Könnte Kreatin bei Depression helfen? Und offen gesagt? Die Ergebnisse sind gleichzeitig vielversprechend und verwirrend.

Was haben sie herausgefunden?

Die Wissenschaftler haben alle verfügbaren klinischen Studien zu Kreatin und Depression durchkämmt. Am Ende blieben fünf randomisierte kontrollierte Studien aus verschiedenen Ländern übrig – aus Südkorea, den USA, Brasilien, Israel und Indien. Insgesamt nahmen 238 Personen teil, größtenteils Frauen mit einem Durchschnittsalter von etwa 36 Jahren.

Und jetzt wird es spannend: Zwei dieser fünf Studien zeigten echte Vorteile.

In einer Studie bekamen Frauen mit schwerer depressiver Störung fünf Gramm Kreatin täglich zusätzlich zu ihrem Antidepressivum (Escitalopram, falls jemand fragt). Nach acht Wochen zeigten sie deutlich stärkere Verbesserungen als diejenigen, die das Medikament mit einem Placebo bekamen. Forscher sprechen von einer „großen" Effektstärke – statistisch betrachtet ist das bedeutsam.

Eine weitere kleine Studie ergab, dass die Zugabe von Kreatin zur kognitiven Verhaltenstherapie zu besseren Ergebnissen führte als Therapie plus Placebo.

Ziemlich cool, oder?

Aber – drei weitere Studien fanden nichts

Hier wird es knifflig. Die anderen drei Studien zeigten... absolut nichts. Keinerlei Vorteil.

Eine Studie gab Menschen Kreatin, obwohl ihre Depression nicht auf Medikamente angesprochen hatte – und sah trotzdem keine Besserung. Eine andere testete es bei jugendlichen Mädchen ohne Erfolg. Und eine dritte Studie an Menschen mit bipolarer Störung während depressiver Phasen blieb ebenfalls ergebnislos.

Das ist eine 2-zu-3-Bilanz. Und das ist nicht gerade die überwältigende Bestätigung, die Supplement-Hersteller daraus machen könnten.

Warum sollte Kreatin überhaupt im Gehirn wirken?

Hier wird die Wissenschaft wirklich faszinierend.

Kreatin ist bekannt dafür, dass es euren Muskeln hilft, ATP schnell zu regenerieren – die Energieeinheit eurer Zellen. Aber euer Gehirn ist ein enormer Energiefresser. Es macht nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts aus, verbraucht aber rund 20 Prozent der Energie.

Frühere Forschungen haben gezeigt, dass Menschen mit Stimmungsstörungen manchmal Veränderungen in der Kreatinverarbeitung ihres Gehirns aufweisen. Wissenschaftler fragen sich, ob Probleme bei der Energieproduktion in Gehirnzellen möglicherweise tatsächlich zu Depressionen beitragen könnten.

Es gibt auch Hinweise – noch theoretisch, wohlgemerkt – dass Kreatin Dopamin und Serotonin beeinflussen könnte. Das sind genau die Botenstoffe, auf die viele Antidepressiva abzielen.

Die biologische Plausibilität ist also gegeben. Forscher ziehen diese Idee nicht aus heiterem Himmel.

Ein Wort der Vorsicht

Hier muss ich wirklich sorgfältig sein, denn das ist ein sensibles Thema.

Zwei Teilnehmer in der Studie zu bipolarer Störung entwickelten tatsächlich Hypomanie oder Manie nach der Einnahme von Kreatin. Das ist ein erhebliches Warnsignal. Wenn ihr eine bipolare Störung habt, ist das absolut nichts, womit ihr auf eigene Faust experimentieren solltet.

Die Forschungsgruppe selbst ist erfreulich vorsichtig. Der leitende Autor Bassam Jeryous Fares brachte es gut auf den Punkt: „Das Signal ist interessant, aber es ist kein Urteil. Das ist nicht die Art von Evidenz, auf der man die klinische Praxis ändert. Es ist die Art, die einem sagt, dass die Frage weitere Untersuchung wert ist."

Genauso ist es. Wir brauchen größere, bessere Studien, bevor irgendjemand losrennen und Kreatin zu seinem Behandlungsplan hinzufügen sollte.

Was bedeutet das für euch?

Wenn ihr gerade eine Depression behandelt und euer Behandlungsplan funktioniert – bitte ändert nichts aufgrund dieser Forschung. Noch nicht.

Wenn euch neue Ansätze interessieren: Die richtige Gesprächspartnerin oder der richtige Gesprächspartner ist euer Arzt oder Psychiater – nicht euer Fitnesstrainer.

Was diese Forschung allerdings nahelegt: Wissenschaftler werfen ein breites Netz aus, um neue Wege zum Verständnis und zur Behandlung von Depression zu finden. Manchmal stellen sich die unerwartetsten Verbindungen als real heraus. Aber „interessante vorläufige Daten" ist weit entfernt von „hier ist eure neue Behandlung".

Wir werden diesen Bereich im Auge behalten. In der Zwischenzeit: Wenn ihr mit Depression kämpft, wendet euch bitte an eine medizinische Fachperson. Es gibt wirksame Behandlungen. Und ihr müsst das nicht alleine durchstehen.


Quelle: ScienceDaily – Kreatin und Depressionsforschung im Überblick

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