Warum Hummeln leiden, wo Honigbienen überleben
Gartenbesitzer kennen das vielleicht: Diese gemütlichen, pelzigen Brummer, die von Blüte zu Blüte torkeln. Hummeln haben etwas Rührendes an sich. Aber neulich bin ich auf eine Studie gestoßen, die mir diese kleinen Kerle in einem ganz neuen Licht zeigt — und offen gesagt, macht mich das traurig.
Forscher der University of Cambridge haben herausgefunden, dass Hummeln deutlich mehr Schwermetalle aufnehmen als Honigbienen. Das gilt sogar dann, wenn beide Arten am selben Ort unterwegs sind. In ihrem Pollen fanden die Wissenschaftler bis zu siebenmal mehr Gift. Und in den Körpern selbst etwa dreimal so viel. Ganz schön heftig.
Warum ist das so?
Die Forscher haben ihre Untersuchung in Cambridgeshire durchgeführt — also kein verseuchtes Industriegebiet, sondern eine Gegend mit relativ sauberen Böden. Sie verglichen Hummel- und Honigbienenvölker, die Tür an Tür lebten. Das Ergebnis war verblüffend. Gleiche Nachbarschaft, gleiche Blumen, aber völlig unterschiedliche Belastungswerte.
Die Frage liegt natürlich nahe: Warum haben zwei Bienenarten am selben Ort so unterschiedliche Giftmengen im Körper? Die Antwort liegt in ihren völlig verschiedenen Lebensweisen.
Das Problem mit dem Nest
Da ist zunächst die Sache mit dem Nestbau. Hummeln nisten im Erdreich — in Löchern, unter Laubhaufen, in verlassenen Mäusebauten. Ihre Völker sind klein: gerade mal 50 bis 500 Tiere. Honigbienen dagegen wohnen über der Erde, in Baumhöhlen oder Bienenkästen. Dort können es 30.000 bis 60.000 Individuen sein.
Hummeln leben also von Anfang an in direktem Kontakt mit dem Boden. Und was immer dort an Schwermetallen lauert, sickert ungefiltert in ihre Umgebung.
So unterschiedlich sammeln sie Nahrung
Aber es wird noch spannender, wenn man sich anschaut, wie die beiden Arten ihre Nahrung beschaffen.
Honigbienen sind Marathonläufer. Sie fliegen bis zu zehn Kilometer weit vom Stock weg und haben Zehntausende Arbeiterinnen, die gemeinsam riesige Flächen abdecken. Wenn also ein Blumenbeet auf belastetem Boden steht, haben sie genug Alternativen.
Hummeln sind eher Eigenheimbesitzer. Sie bleiben meist innerhalb von anderthalb Kilometern vom Nest entfernt. Und mit ein paar hundert statt zehntausenden Arbeiterinnen ist ihr "Einkaufsgebiet" deutlich kleiner. Wenn die Blüten in Nestnähe Schwermetalle aufnehmen, fehlen einfach die Ausweichmöglichkeiten.
Dazu kommt: Honigbienen sammeln Pollen von vielen verschiedenen Pflanzenarten. Das verdünnt eventuelle Giftbelastung aus einer einzelnen Quelle. Hummeln sind da wählerischer. Sie konzentrieren sich auf weniger Blumensorten und holen sich von jeder weniger. Wachsen diese bestimmten Pflanzen auf belastetem Boden, landet das Gift konzentriert in ihrem Proviant.
Die Pelzigkeit als zweischneidiges Schwert
Und jetzt kommt ein Detail, das ich besonders faszinierend finde: Hummeln sind um einiges haariger als Honigbienen.
Klar, "flauschig" klingt erstmal positiv. Aber diese feinen Härchen fangen auch Staub und winzige Partikel aus der Luft — darunter solche, die Schwermetalle enthalten. Das ganze Zeug wird in die Pollentaschen gepackt und direkt ins Nest geschleppt. Ihre charmante Pelzigkeit wird ihnen also quasi zum Verhängnis.
Warum auch geringe Giftmengen problematisch sind
Die Forscher betonen, dass die gemessenen Metallwerte meist nicht hoch genug waren, um Bienen sofort zu töten. Aber hier wird es trotzdem ernst: Selbst niedrigere Schwermetallkonzentrationen können die Gesundheit von Hummeln auf subtile, aber bedeutsame Weise beeinträchtigen.
Betroffen sind Lernfähigkeit und Gedächtnis. Das klingt nach Kleinigkeit, aber Hummeln müssen sich in komplexen Umgebungen zurechtfinden, um Futter zu finden. Vergessen sie, wo die besten Blüten stehen, wird's schwierig. Außerdem stehen Schwermetalle im Verdacht, Fortpflanzung zu beeinträchtigen, den Nachwuchs zu reduzieren und die Entwicklung junger Hummeln zu stören.
Dr. Sarah Scott, Leiterin der Studie, fasst es zusammen: Die Effekte wirken vielleicht nicht dramatisch oder offensichtlich. Aber sie können auf "wichtige Weise" die Gesundheit und den Erfolg eines Volkes untergraben.
Ein weiterer Punkt macht Hummeln besonders verletzlich: Ihre kleinen Völker. Gehen hier ein paar Arbeiterinnen verloren, hat das sofort spürbare Folgen für das gesamte Volk. Sie starten einfach mit weniger Personal.
Was bedeutet das für Gärtner?
Jetzt kommt's — bevor jemand die Hände in den Schoß legt und aufgibt: Die Forscher raten trotzdem, weiterhin Blumen zu pflanzen. Wirklich.
Bienen brauchen Nahrung. Nektar und Pollen sind überlebenswichtig. Die Vorteile von gartenfreundlichen Beeten überwiegen die Risiken — selbst wenn das Futter Spuren von Gift enthält. Hören wir auf zu gärtnern, nehmen wir bedrohten Arten einfach eine wichtige Nahrungsquelle weg.
Was die Studie aber nahelegt: Wir sollten größer denken. Überlegen, wie unsere Landschaften mit Verschmutzung umgehen. Und uns bewusst machen, dass verschiedene Arten ein und dieselbe Umgebung völlig unterschiedlich erleben. Nur weil Honigbienen gesund wirken, heißt das nicht, dass ihre pelzigen Verwandten nicht still und leise eine höhere Giftlast tragen.
Also: Ran an die Blumensamen. Unterstützt die Hummeln im Garten. Und denkt an das große Ganze. Für sauberere Böden, weniger Industrie-Schadstoffe und gesündere Ökosysteme — für alle unsere summenden Nachbarn.