Samsung S95H OLED im Test: Endlich hält OLED, was es verspricht
Ich sag's mal ganz ehrlich.
Jahrelang habe ich die Begeisterung um OLED-Fernseher belächelt. Zu viel Hype, zu wenig Alltagsnutzen, dachte ich. Braucht doch kein Mensch diese perfekten Schwarztöne beim Seriengucken auf der Couch, oder?
Spoiler: Doch, braucht man. Und zwar deutlich mehr, als ich zugeben wollte.
Das Helligkeitsproblem? Erledigt.
Das war immer mein größter Kritikpunkt an OLED-Technik. Ja, die Kontraste sind weltmeisterlich. Ja, Schwarz ist wirklich schwarz. Aber hell genug für Räume mit viel Tageslicht? Fehlanzeige. In meinem Wohnzimmer mit diesen riesigen Fensterfronten sah ich bei Sonnenschein aus wie ein Höhlenbewohner vor einer Höhlenwand – angestrengt und mit zusammengekniffenen Augen.
Samsung hat das offenbar verstanden. Der S95H schafft knapp 3.000 Nits. Klingt erstmal nach Werbeversprechen, aber ich habe es ausprobiert. Mitten am Tag, ohne Jalousien runterzulassen, ohne den Raum abzudunkeln. Und die Bilder waren crystalrklar. Kein Blinzeln, kein Fluchen, keine Kompromisse.
Dazu kommt die entspiegelte Oberfläche, die ebenfalls ihren eigenen Artikel verdient hätte. Das Ding sagt praktisch: „Stell mich hin, wo du willst. Ich komm damit klar." Für alle, die schon mal verzweifelt versucht haben, einen Fernseher in einem schwierigen Raum optimal zu positionieren – ihr wisst, wie wertvoll das ist.
Was man wirklich sieht
Ich versuche mal, das Erlebnis zusammenzufassen, ohne in technische Datenlisten zu verfallen.
Sport macht plötzlich Spaß. Ein Fußballspiel sah so scharf und lebendig aus, dass ich Details entdeckte, die mir vorher nie aufgefallen waren – die Struktur der Trikots, wie der Rasen aufspritzte, wenn jemand abbremste. Farben waren kräftig, aber nicht übertrieben. Bewegungen liefen flüssig, ohne dieses ruckelige “Soap Opera Effect"-Gefühl.
Dann ein paar Serien in 4K HDR über Netflix und HBO Max. Ja, auch beeindruckend. Besonders dunkle Szenen zeigten, was OLED wirklich draufhat: Echte Schwarztöne, die den Rest des Bildes zum Leuchten bringen. Genau das „Ah, SO sollte HDR aussehen"-Erlebnis.
Und hier kommt Samsung ins Spiel: Selbst niedrigauflösendes Material sieht gut aus. Die 1080p-Serie vom letzten Jahr? Der interne KI-Chip pusht das auf fast 4K-Niveau. Samsung macht das schon länger gut, und der S95H setzt die Tradition fort.
Für Gamer ein Traum
Ja, ich weiß, es geht um einen Fernseher. Aber mal ehrlich – 2024 ist ein Fernseher ohne ordentliche Gaming-Features praktisch ein Dinosaurier.
165 Hertz Bildwiederholrate, variable Refresh-Rates, FreeSync UND G-Sync – der S95H spricht praktisch jede Plattform. Egal ob Konsole oder High-End-PC: Alles läuft flüssig, egal welche Framerate der Rest des Systems liefert.
Und Samsung Gaming Hub? Tatsächlich praktisch. Cloud-Gaming über Xbox Game Pass? Controller schnappen, loslegen, keine Kabel, keine extra Hardware. Warum nicht mehr Leute Game-Streaming nutzen, ist mir ein Rätsel. Mit diesem Fernseher gibt's keine Ausreden mehr.
Schick auch im Standby
Das hätte ich vorher auch nicht geglaubt, aber: Das Design verdient Respekt.
Statt dem Trend zu folgen, alles hinter hauchdünnen Rahmenen zu verstecken, setzt Samsung auf einen polierten Metallrahmen. Klingt nach Mogelpackung, funktioniert aber tatsächlich. Elegant, durchdacht, nicht wie ein Gimmick.
Im „Art Mode" – also wenn der Fernseher gerade nichts zeigt – sieht das Ding aus wie ein Dekorationsstück. Kein schwarzes Rechteck, das darauf wartet, dich zu hypnotisieren. Wirklich hübsch.
Die eine Sache, die stört
Ich kann den Artikel nicht schreiben, ohne das anzusprechen: Dolby Vision fehlt.
HDR10+ ist ja schön und gut, Samsungs Umsetzung ist sogar solide. Aber Dolby Vision ist nunmal der Standard, auf den Filmfans schwören. Wer über 2.000 Euro für einen Premium-Fernseher ausgibt, erwartet einfach alle Möglichkeiten. Die Konkurrenz bietet beide Formate. Das fühlt sich nach unnötiger Einschränkung an.
Kleinigkeit im Großen und Ganzen? Vielleicht. Aber sie bleibt.
Lohnt sich der Kauf?
Wer das absolut beste Bild will und das nötige Kleingeld hat: Definitiv eine Überlegung wert. Endlich liefert OLED, was es verspricht – perfekte Schwarztöne, Kontraste zum Davonlaufen, und jetzt auch genug Helligkeit für jedes Zimmer. Dazu das schicke Design, die Gaming-Funktionen und sieben Jahre Software-Updates. Das ist eine Investition, die sich lohnt.
Teuer? Klar. 2.500 Euro für das 55-Zoll-Modell sind kein Pappenstiel. Aber für alle, die auf OLED gewartet haben, weil es in hellen Räumen zu dunkel war – eure Geduld hat sich gelohnt.
Ich persönlich muss meine Empfehlungen gerade überarbeiten. Von „OLED ist nett, aber overkill" zu „Okay, zugegeben – OLED ist tatsächlich so gut."
Manchmal tut es gut, unrecht zu haben.
Quelle: Popular Mechanics