Unsere Vorfahren kannten schon High werden — vor 25.000 Jahren
Stell dir mal vor, dein Urahn hat vor Jahrtausenden an einer Betelnuss gekaut und war dabei high. Kein Witz.
Forscher haben gerade entdeckt, dass Menschen in Indonesien schon vor etwa 25.000 Jahren Betelnüsse lutschten — nicht vor 3.500 Jahren, wie wir bisher annahmen. Lass das einen Moment sacken. Fünfundzwanzigtausend Jahre. Das verändert alles.
Was die Wissenschaftler gefunden haben
Das Team um Professor Adam Brumm von der Griffith University untersuchte gemeinsam mit indonesischen Archäologen uralte menschliche Überreste auf Sulawesi. Und da fiel ihnen etwas auf: Zwei Wanderer-Jäger (einmal etwa 25.000 bis 16.000 Jahre alt, einmal rund 7.000 Jahre alt) hatten merkwürdige, tiefe Rillen in den Zähnen.
Keine normalen Abnutzungserscheinungen vom Kauen harter Kost. Diese Spuren waren rund und wiederholten sich — typisch für etwas, das man immer und immer wieder tut. Und zwar über sehr lange Zeit.
Dieses Etwas war: Betelnuss lutschen.
Okay, was ist Betelnuss überhaupt?
Falls du denkst "Betelnuss? Noch nie gehört" — geht mir genauso. Aber hier einParty-Fakt für dich: Die Betelnuss ist die viertmeistgenutzte psychoaktive Substanz der Welt. Direkt nach Alkohol, Koffein und Nikotin. Etwa jeder zehnte Mensch auf diesem Planeten konsumiert sie. In Süd- und Südostasien ist das völlig normal. Nur bei uns im Westen hat sich das nie durchgesetzt. Deshalb kennen die meisten Europäer das Zeug nicht.
Wie sind die Forscher dahintergekommen?
Die Wissenschaftler haben nicht einfach nur die Zähne angesehen und aufgehört. Sie machten echte Experimente: Sie weichten Betelnüsse in künstlichem Speichel ein und testeten die Ergebnisse an menschlichen Neuralrezeptoren. Die Frage war, ob man überhaupt high wird, wenn man einfach nur die Nuss lutscht — ohne die aufwendigen Zubereitungsmethoden, die heute üblich sind.
Ergebnis: Ja, wird man.
Der Wirkstoff heißt Arecolin. Er erzeugt ein leichtes Euphorie-Gefühl und erhöhte Wachsamkeit. Normalerweise mischen moderne Nutzer die Nuss mit gelöschtem Kalk (pulverisierte gebrannte Muschelschalen), damit der Stoff schneller aufgenommen wird. Aber anscheinend brauchten unsere Vorfahren diesen Schritt nicht. Einfach lange genug lutschen reichte offenbar aus, um das Gehirn zu beeinflussen. Verrückt, oder?
Der eigentliche Clou
Die Forscher fiel noch etwas auf: Die alten Jäger und Sammler hatten meistens furchtbare Zähne. Und genau hier kommt's: Arecolin wirkt als natürliches Schmerzmittel.
Die Theorie? Unsere Vorfahren haben vielleicht angefangen, Betelnüsse zu lutschen, um Zahnschmerzen zu behandeln. Quasi als Naturmedizin.
Das Pikante daran: Genau das, was sie benutzten, um sich besser zu fühlen, machte ihre Zähne auf lange Sicht vermutlich nur noch schlimmer. Tja.
Das ändert alles, was wir über Drogenkonsum dachten
Lange galt in der Wissenschaft folgende Lehrmeinung: Weit verbreiteter Drogenkonsum begann erst, als Menschen sesshaft wurden und Ackerbau betrieben. Die Logik dahinter: Erst kam die Landwirtschaft, dann der Überschuss, dann die freie Zeit zum Experimentieren — und Zack, da war das Bier.
Doch diese Studie zeigt: Unsere jägerischen Vorfahren liefen nicht einfach nur rum und jagten, ohne sich chemisch zu berauschen. Sie waren schon Zehntausende Jahre vor der ersten Gerstensaat draußen und haben sich ihren Rausch geholt.
Ob mich das beruhigt? Irgendwie schon. Vielleicht gehört ein bisschen Bewusstseinsveränderung einfach zum Menschsein. Wir sind schon verdammt lange dabei.