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Moment mal – haben unsere Vorfahren vor 236 Millionen Jahren lebende Babys zur Welt gebracht?

Moment mal – haben unsere Vorfahren vor 236 Millionen Jahren lebende Babys zur Welt gebracht?

2026-08-14T21:18:08.512928+00:00

Was ein winziger Strich in 236 Millionen Jahre altem Knochen uns über unsere Herkunft verrät

Ehrlich gesagt musste ich beim ersten Lesen dieser Studie erst mal tief durchatmen.

Forscher haben eine Art Wachstumsring im Knochen entdeckt — sogenannte Neonatallinien, die sich direkt nach der Geburt bilden — in einem Fossil von Chiniquodon theotonicus. Das Tierchen wurde in Argentinien gefunden und war laut allem, was wir wissen, ein Neugeborenes, als es starb. Aber jetzt wird's richtig verrückt: Die Wissenschaftler berechneten, dass dieses Neugeborene etwa 1,7 Kilogramm wog. Das klingt erst mal nicht nach viel — aber es waren rund 14 Prozent des Körpergewichts eines erwachsenen Tieres.

Lass das mal kurz wirken.

Falls du denkst „Na und?" — halt dich fest. Denn diese 14 Prozent sind riesig. Reptilien und Vögel ähnlicher Größe bringen extrem kleine Babys zur Welt, meistens zwischen 0,1 und 4,5 Prozent des Erwachsenengewichts. Säugetiere aber? Wir produzieren vergleichsweise kräftige Neugeborene. Und genau in dieser Kategorie landet C. theotonicus — direkt neben modernen Säugetieren.

Das Team, geleitet von Dr. Leandro Gaetano und seinen Kollegen in Argentinien, starrte im Grunde auf den frühesten Beweis für Lebendgeburt in unserem Stammbaum. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass Lebendgeburt vor etwa 150 Millionen Jahren entstand. Diese neue Entdeckung schiebt diesen Zeitpunkt um fast 100 Millionen Jahre weiter zurück.

Aber warum war das überhaupt ein Vorteil? Gute Frage! Die Forscher verweisen auf die Triaszeit — eine wilde Epoche nach einem Massensterben. Konkurrenz um Ressourcen war brutal, Raubtiere lauerten überall. Embryonen im eigenen Körper zu tragen, statt sie verletzlich in Eiern zu lassen? Das ist ein verdammt kluges Überlebenskonzept.

Klar, wie so oft in der Wissenschaft, bleiben viele Fragen offen. Vielleicht war C. theotonicus ein Ausnahmefall. Vielleicht legten andere Cynodonten noch Eier, während manche Arten bereits auf Lebendgeburt setzten. Die Fossilchronik ist lückenhaft, und Spuren embryonaler Entwicklung in alten Knochen zu finden, ist extrem selten.

Genau das macht es aber so faszinierend. Manchmal liefert uns ein haarfeiner Strich in einem versteinerten Knochen einen komplett neuen Blick auf die Geschichte des Lebens. Und die Erzählung davon, wie wir von eierlegenden Reptilien zu Säugetieren wurden, die lebende Junge zur Welt bringen — die wurde gerade um einiges spannender.

Was mich persönlich begeistert: Diese Entdeckung begann als Nebenprojekt eines Postgraduate-Kurses. Neugierige Studierende bemerkten etwas Ungewöhnliches in einem Knochen. Manchmal kommen die größten Erkenntnisse von Menschen, die noch nicht gelernt haben, was angeblich „unmöglich" ist.

Macht einen doch neugierig, was sonst noch in Museumsschubladen versteckt liegt, oder?

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