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Nach 94 Jahren ist der ägyptische Koloss endlich wieder vereint

Nach 94 Jahren ist der ägyptische Koloss endlich wieder vereint

2026-08-22T21:19:10.547408+00:00

Ein Rätsel nach hundert Jahren gelöst

Mal angenommen, du würdest eine 7 Meter große Statue durchsägen, die Einzelteile in der ägyptischen Wüste vergraben und dann 94 Jahre darauf warten, dass jemand sie findet. Klingt absurd, oder?

Genau das ist hier passiert.

Der Fund von 1930

Im Jahr 1930 stieß der deutsche Archäologe Günther Roeder auf die untere Hälfte einer gewaltigen Statue von Ramses II. Er grub sie etwa 240 Kilometer südlich von Kairo aus, in der Nähe dessen, was einst die antike Stadt Khemnu war – später von den Römern Hermopolis Magna genannt. Das Viertel galt als Treffpunkt der wichtigsten Pharaonen.

Roeder fand nur die untere Hälfte. Vom Rest fehlte jede Spur. Fast hundert Jahre lang.

Die Suche geht weiter

Dann, im März 2024, machte ein ägyptisch-amerikanisches Team eine Entdeckung, die Fachleute weltweit aufhorchen ließ. Sie arbeiteten im Rahmen des „Projekts Stadt des Pavians" (ja, wirklich – dieser Name verdient einen eigenen Beitrag).

Die obere Hälfte war gefunden.

Was sie vorfanden: ein gut 3,80 Meter großes Fragment mit dem charakteristischen Kopfschmuck des Ramses, einschließlich der ikonischen Königskobra. Die Statue lag mit dem Gesicht nach unten im Sand. Wie der weltgrößte Pfannkuchen, nur unendlich wertvoller.

Das Beste daran: Bei der Ausgrabung entdeckten sie Reste blauer und gelber Farbe am Stein. Unvorstellbar. Wir kennen diese kahlen Sandsteinskörper aus Museen. Aber ursprünglich waren sie bunt. Ehrlich gesagt macht das alles anders, wenn man sich das alte Ägypten vorstellt.

Warum ist sie erhalten geblieben?

Eine Forscherin erklärte, warum der Erhaltungszustand so überraschend war. Der Fundort liegt nahe dem Nil. Nach dem Bau des Niedrigen Staudamms von Assuan stieg das Grundwasser stark an. Feuchtigkeit kann Sandstein über die Jahrhunderte komplett zerstören.

„Manchmal findet man Sandstein, der im Grunde nur noch Sand oder brüchiger Kalkstein ist", sagte Yvona Trnka-Amrhein von der University of Colorado Boulder. „Es hätte auch nur ein Felsbrocken sein können."

Aber diese Statue war kein Felsbrocken. Sie hatte alle Widrigkeiten überdauert.

Wiedervereinigung

Nach der Bestätigung ihres Funds reichte das Team einen Antrag ein, die beiden Hälften wieder zu vereinen. Der Ägyptische Antiquitäten-Ausschuss stimmte zu. Im September 2025 begannen die Restaurierungsarbeiten, Anfang 2026 war die Statue endlich wieder ganz.

Am ursprünglichen Standort am Nordtor des Tempels von El Aschmunein – dort, wo sie vor über 3200 Jahren stand – misst das vereinte Koloss nun gut 6,70 Meter und wiegt über 40 Tonnen. Vier Hauptteile bilden das Gesamtwerk: Ober- und Unterkörper plus drei beschriftete Sockelsteine.

Was diese Statue besonders macht: Es ist die erste vollständige Kolossalfigur aus Mittelägypten und gleichzeitig die erste, die mit modernen archäologischen Methoden erforscht wird. In der Ägyptologie ist das ein echter Meilenstein.

Was kommt als Nächstes?

Das Team gibt keine Ruhe. Bis 2026 und 2027 wollen sie das Gelände genauer untersuchen, um die Fundamente des Tempelpylons freizulegen, den diese Statue einst bewachte. Wer weiß, was dort noch im Boden steckt?

Mir persönlich geht diese Geschichte nah. Zwei Statuenhälften, ein Jahrhundert getrennt, jetzt wieder vereint – genau dort, wo sie vor über dreitausend Jahren aufgestellt wurde. Das hat schon etwas Poetisches.

Und jetzt, da die Figur ganz ist, können Forschende die Farbspuren im Detail analysieren. Vielleicht bekommen wir endlich ein Bild davon, wie Ramses II. seine Statue einst tatsächlich aussehen ließ.

Manchmal zahlt sich Geduld eben doch aus.

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