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Überraschung aus dem All: Forscher entdecken Atmosphäre auf einem Lava-Planeten

Überraschung aus dem All: Forscher entdecken Atmosphäre auf einem Lava-Planeten

2026-10-08T09:05:07.091343+00:00

Der heiße Felsen, der Atmosphärenforscher ins Schwitzen bringt

Also ehrlich — als ich zum ersten Mal von dieser Entdeckung las, musste ich den Artikel gleich drei Mal lesen. Nicht, weil er kompliziert war. Sondern weil das, was die Forscher da gefunden haben, einfach nicht stimmen konnte. Zumindest nicht nach allem, was wir zu wissen glaubten.

Ein Planet, dessen Oberfläche aus geschmolzenem Gestein besteht. Temperaturen, bei denen selbst die Venus wie ein angenehmer Frühlingsnachmittag wirkt. Und trotzdem — er hat eine Atmosphäre.

Ja. Mein Gehirn hatte dieselbe Reaktion.

HD 3167 b: Der Lava-Planet, der nicht existieren sollte

In etwa 154 Lichtjahren Entfernung, irgendwo im Sternbild Fische, umkreist ein Planet namens HD 3167 b seinen Stern. Und zwar so nah, dass ein komplettes Jahr gerade mal einen Erdtag dauert. Stellt euch vor: Geburtstage, Weihnachten, Silvester — alles in einer einzigen Erdumdrehung.

Die Seite, die ständig dem Stern zugewandt ist, wird dementsprechend brutal aufgeheizt. Wir reden von Temperaturen, bei denen Gestein flüssig bleibt. Solche Planeten nennt man treffend „Lava-Welten". Und ja, das sind keine Reiseziele, die man buchen möchte.

Das Problem: Laut allem, was wir über Planeten zu wissen glaubten, kann HD 3167 b gar keine Atmosphäre haben.

Warum sind Wissenschaftler überrascht?

Lasst mich erklären, warum das eine so große Sache ist.

Wenn ein Planet so nah an seinem Stern kreist, passieren zwei unangenehme Dinge. Erstens: Die Schwerkraft und Strahlung des Sterns blasen die Atmosphäre regelrecht weg — ein Prozess, den Fachleute „atmosphärische Flucht" nennen. Zweitens: Hochenergetisches Sternenlicht prügelt Moleküle buchstäblich ins All.

Je näher die Umlaufbahn, desto schlimmer wird das. Stellt euch vor, ihr versucht, einen Ballon festzuhalten, während jemand mit einem Feuerwehrschlauch darauf losgeht.

„Das Überraschende ist: Je näher ein felsiger Planet seinen Stern umkreist, desto schwerer sollte es sein, eine Atmosphäre zu behalten", erklärte Edwin Kite, außerordentlicher Professor an der University of Chicago und Co-Autor der Studie. „Aber anscheinend schaffen es viele dieser Lava-Welten trotzdem."

Die Studie, veröffentlicht im Astrophysical Journal Letters, markiert die kälteste bekannte Lava-Welt mit Atmosphären-Nachweis. Warum ist das wichtig? Wissenschaftler versuchen herauszufinden, wo genau die Temperaturschwelle liegt, ab der Planeten ihre Atmosphäre verlieren.

Wie erkennt man überhaupt eine Atmosphäre auf 154 Lichtjahre Entfernung?

Hier wird es clever.

Das Forschungsteam nutzte das James-Webb-Weltraumteleskop und eine Technik namens „sekundäre Bedeckung". Der Trick: Wenn der Planet hinter seinem Stern verschwindet, messen Forscher, wie viel Gesamtflicht blockiert wird. Dann vergleichen sie das mit dem Moment, wenn der Planet vor dem Stern sichtbar ist.

Der Unterschied verrät, wie viel Infrarotlicht vom Planeten selbst kommt — und damit seine Temperatur.

Der entscheidende Punkt: Wenn ein Planet keine Atmosphäre hat, sollte seine Tagseite auf die maximal mögliche theoretische Temperatur aufgeheizt werden. Keine Atmosphäre bedeutet keine Wärmeverteilung.

Hat ein Planet aber eine Atmosphäre, passiert etwas anderes. Die Atmosphäre funktioniert wie eine Decke und/oder Klimaanlage — sie verteilt Wärme auf die Nachtseite und reflektiert möglicherweise Sternenlicht. Das hält die Tagseite kühler als erwartet.

Und genau das fanden die Wissenschaftler bei HD 3167 b. Der Planet ist spürbar kühler als vorhergesagt — ein starker Hinweis auf eine thermische Puffer-Atmosphäre.

Was besteht diese Atmosphäre eigentlich?

Hier wird es richtig spannend, denn wir betreten Neuland.

Bisher gingen Forscher davon aus, dass jede Atmosphäre auf solchen ultra-heißen Lava-Welten aus verdampftem Gestein bestehen muss — also aus silikatischen Mineralien, die von der Oberfläche aufgestiegen sind und einen dünnen Schleier um den Planeten bilden.

Aber je genauer sie hinschauten, desto mehr Hinweise fanden sich auf schwerere Gase: Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, vielleicht sogar Wasserdampf.

„Ein großartiges Ergebnis, weil es zeigt, dass felsige Planeten unter extremen Bedingungen Atmosphären halten können", sagte Kite. „Diese Planeten sind viel zu heiß für Leben. Aber wenn wir sie studieren, erfahren wir etwas über die Prozesse, die auch für andere felsige Welten wichtig sind."

Warum sollte uns ein Planet interessieren, auf dem nichts überleben kann?

Ich höre euch schon denken: „Interessante Wissenschaft — aber was bringt mir das?"

Hier ist meine Antwort: Wir leben auf einem felsigen Planeten mit Atmosphäre. Und wir haben keine Ahnung, warum die Erde ihre Atmosphäre behalten konnte, während andere Welten das nicht geschafft haben. Diese extremen Fälle helfen Wissenschaftlern, bessere Modelle der Planetenentwicklung zu bauen.

Wir nutzen diese Lava-Welten gewissermaßen als natürliche Labore. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die frühe Erde vor Milliarden Jahren vielleicht selbst wie eine solche Lava-Welt ausgesehen hat. Also könnte das Studium dieser höllischen Planeten uns helfen, die eigene Vergangenheit unseres Planeten zu verstehen.

Und mal ehrlich — der Weltraum ist einfach faszinierend. Wir finden ständig Planeten, die laut unseren Modellen nicht existieren sollten. Das bedeutet, dass unser Verständnis des Universums ständig wächst. Was gibt es daran nicht zu lieben?

Das Forschungsteam plant bereits Folgemessungen. Dies ist das erste Ergebnis eines Programms, das insgesamt zehn ultra-heiße Lava-Welten untersuchen soll. Das Ziel: die kritische Temperaturschwelle finden, an der Planeten von „keine Atmosphäre" zu „mit Atmosphäre" wechseln.

Also dranbleiben. Das Universum überrascht uns immer wieder.


Quelle: ScienceDaily, „Webb findet eine überraschende Atmosphäre auf einer glühenden Lava-Welt" (https://www.sciencedaily.com/releases/2026/10/261005071526.htm)

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