Was versteckt sich unter den Steinen?
Ich muss euch etwas erzählen, das mich wirklich umgehauen hat, als ich davon gelesen habe. Ihr kennt doch diese Felder mit losen Steinen und Geröll, die an Berghängen verstreut liegen? Die Art, über die man beim Wandern fröhlich drüberläuft, ohne einen zweiten Blick zu verschwenden?
Tja. Manche von ihnen verbergen ein massives Geheimnis.
Tief unter der Oberfläche dieser steinigen Landschaften verbirgt sich oft reines Eis. Und ich meine jede Menge davon.
Geologen der University of Utah haben kürzlich ein solches verborgenes Eislager unter dem Mount Timpanogos bei Salt Lake City genauer untersucht. Was sie fanden, war ziemlich bemerkenswert.
Die Zahlen sind unglaublich
Der Timpanogos-Steingletscher – was zugegebenermaßen klingt wie aus einem Fantasy-Roman – enthält etwa 1,5 Millionen Kubikmeter gefrorenes Wasser. Lasst mich das mal in Relation setzen:
- Das entspricht rund 600 olympischen Schwimmbecken voll Eis
- Oder ungefähr dem Volumen der Großen Pyramide von Giza
- Und das hier ist wirklich krass: Er besteht zu 83% aus Eis und nur zu 17% aus losem Gestein
„Wir sind über lose Steine und Geröll gelaufen und haben nicht geahnt, dass unter unseren Füßen vielleicht 36 Meter Eis verborgen sein könnten", sagte Leif Anderson, ein Glaziologie-Professor, der an der Studie mitgearbeitet hat.
36 Meter. Stellt euch das vor – ein zwölfstöckiges Gebäude, senkrecht in Eis gestapelt, völlig unsichtbar, solange man nicht genau weiß, wo man suchen muss.
Wie haben die Wissenschaftler durch den Fels geschaut?
Das ist der spannende Teil. Das Forschungsteam nutzte ein Gerät namens Gravimeter – im Grunde eine supersensible Waage, die winzige Dichteunterschiede erkennen kann. Gestein ist dicht. Eis ist es nicht. Wenn man dieses Instrument also über einen Steingletscher zieht, kann man buchstäblich sehen, wo das leichtere Eis unter der schwereren Gesteinsschicht liegt.
Über sechs Feld expeditionsreisen nahm Forscher Bronson Cvijanovich Gravitationsmessungen an 232 verschiedenen Punkten des Gletschers vor und erstellte so eine Art Schwerkraft-Karte. Nach monatelanger Computerberechnung und etwas raffinierter Mathematik (genauer gesagt Bayes-Statistik, falls jemand in die Details gehen will) rekonstruierten sie ein 3D-Bild des verborgenen Eises.
Im Grunde gaben sie dem Berg so etwas wie ein CT-Scan.
Diese Gletscher sind moderner, als man denkt
Hier kommt etwas, das mich ehrlich überrascht hat: Diese Steingletscher sind keine Überreste aus der Eiszeit. Sie haben sich nach dem Verschwinden der großen Gletscher gebildet, über Jahrtausende hinweg.
Der Prozess ist faszinierend. In den Wasatch-Bergen erodieren die Berge selbst langsam. Gestein und Schutt rutschen die Hänge hinunter und türmen sich auf beständigen Schneefeldern auf. Diese Schuttdecke wirkt wie eine Isolierdecke, die den darunterliegenden Schnee vor dem Schmelzen im Sommer schützt. Jahr für Jahr, Schicht für Schicht entsteht so ein verborgener Eiskern, bedeckt von Geröll.
„In den Wasatch-Bergen erodieren die Berge selbst und begraben den Schnee – und genau deshalb existieren die Steingletscher", erklärte Anderson.
Ziemlich wild, oder? Die Berge erschaffen gewissermaßen ihre eigenen Eisspeicher.
Das hat enorme Bedeutung
Und jetzt wird es richtig wichtig. Das Team hat einen Steingletscher untersucht, aber Utah hat noch Hunderte weitere. Basierend auf dem, was sie am Timpanogos gelernt haben, berechneten sie, dass die etwa 836 Steingletscher in Utah allein bedeutende Mengen an gefrorenem Wasser enthalten könnten.
Weltweit gibt es ungefähr 50.000 bekannte Steingletscher. Zusammen könnten sie rund 48 Gigatonnen Wasser speichern – genug, um 400.000 olympische Schwimmbecken zu füllen.
Das ist eine Menge verstecktes Eis.
Da der Klimawandel die klassische Schneeschmelze weniger zuverlässig macht, könnten diese unterirdischen Eisspeicher zunehmend wertvoll werden. Sie repräsentieren eine Art natürliches Wasserspeichersystem, das die ganze Zeit dagelegen hat – still und geduldig, unter Haufen scheinbar unbedeutender Steine.
Das Fazit
Wenn ihr das nächste Mal durch die Berge wandert und ein Feld mit losen Felsbrocken und Geröll seht, nehmt euch vielleicht einen Moment Zeit. Die steinige Oberfläche, auf der ihr steht, könnte etwas Antikes und Kostbares verbergen – Dutzende Meter Eis, das Jahrhunderte gebraucht hat, um sich anzusammeln.
Es ist eine gute Erinnerung daran, dass die Natur immer noch jede Menge Geheimnisse hat, selbst an Orten, die wir seit Generationen erkunden. Manchmal sind die wichtigsten Dinge die, die wir nicht sofort sehen können.