Als die Sonne nicht mehr aufhören wollte
Stell dir vor, jemand klingelt an deiner Tür – und lässt den Finger einfach auf dem Knopf. Genau so etwas passierte im vergangenen August den Forscher:innen von NASA. Ein ungewöhnlich langes Radiosignal kam von der Sonne. Und es wollte einfach nicht enden.
Normale Sonnenausbrüche dauern meist ein paar Stunden oder Tage. Danach wird es wieder ruhig. Doch dieses Signal hielt 19 Tage lang durch. Der alte Rekord lag bei fünf Tagen. Fast vier Mal so lang also. Die Wissenschaftler:innen waren baff.
Ein Typ-IV-Ausbruch mit Durchhaltevermögen
Das Signal gehörte zu den sogenannten Typ-IV-Ausbrüchen. Dabei handelt es sich um Radiowellen, die entstehen, wenn energiereiche Elektronen in starken Magnetfeldern der Sonne gefangen sind. Sie prallen hin und her wie in einem kosmischen Flipperautomaten und senden dabei Radiostrahlung aus.
Die Wellen selbst sind für uns auf der Erde ungefährlich. Sie dringen nicht durch die Atmosphäre. Doch sie können ein Warnsignal sein. Denn dieselben Magnetfelder, die diese Ausbrüche erzeugen, können auch koronale Massenauswürfe (CMEs) auslösen – gewaltige Wolken aus Teilchen und Energie, die mit hoher Geschwindigkeit ins All schießen. Treffen sie auf die Erde, können sie Satelliten, Stromnetze und Raumfahrzeuge stören.
Viele Augen auf die Sonne
Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, nutzten die Forscher:innen gleich mehrere Missionen: Parker Solar Probe, Wind, Solar Orbiter und STEREO. Weil sich die Sonne dreht, sahen die verschiedenen Sonden den Ausbruch nacheinander. So entstand nach und nach ein vollständiges Bild – ähnlich wie bei Überwachungskameras rund um ein Gebäude.
Mit Daten von STEREO gelang es, den Ursprungsort genau zu bestimmen: Ein sogenannter Helmbach – eine große magnetische Struktur in der äußeren Atmosphäre der Sonne – war die Quelle. Die Forscher:innen vermuten, dass drei CMEs aus derselben Region kamen und den Radiostrom immer wieder „nachgeladen“ haben.
Bessere Vorhersagen dank neuer Erkenntnisse
Die Ergebnisse erschienen im Astrophysical Journal Letters. Sie zeigen: Wer lange Radioblitze besser versteht, kann Sonnenstürme früher erkennen. Das ist wichtig. Denn Satelliten, GPS, Kommunikation und Stromnetze sind anfällig für solche Ereignisse. Auch Astronaut:innen im All sind gefährdet.
Je besser wir die Sonne und ihre Überraschungen kennen, desto gezielter können wir uns schützen. Die Studie zeigt einmal mehr: Auch unser nächster Stern birgt noch viele Rätsel. Und jedes neue Rätsel bringt uns ein Stück weiter.