Warum Kinobesuche vielleicht besser für dich sind als gedacht
Ich muss euch heute etwas erzählen, das mich ehrlich gesagt völlig überrascht hat.
Bisher dachte ich immer, dass meine Begeisterung für Kunstmuseen und regelmäßige Kinobesuche einfach ein nettes Hobby ist. Irgendetwas, das das Leben interessanter macht — aber wahrscheinlich nicht besonders viel für meine Gesundheit tut. Immerhin sitzt man in einem dunklen Saal zwei Stunden lang rum. Das ist jawohl kein Sport, oder?
Tja. Laut einer brandaktuellen Studie, die im Journal of Epidemiology and Community Health erschienen ist, könnte ich damit komplett daneben gelegen haben.
Forschende vom Institute of Science Tokyo haben knapp 1.900 Erwachsene ab 50 Jahren in England untersucht. Und zwar haben sie zwei Dinge verfolgt: Wie oft diese Leute kulturelle Veranstaltungen besucht haben — Kino, Museen, Theater, Konzerte, dieses ganze Spektrum — und etwas, das sich „physiologisches Alter" nennt.
Jetzt wird's spannend. Euer chronologisches Alter kennt ihr: Einfach die Anzahl eurer Geburtstage. Aber das physiologische Alter? Das ist eher so eine Art Zwischenzeugnis für euren Körper. Blutdruck, Lungenkapazität, Griffstärke, Gehgeschwindigkeit, Cholesterinwerte — all diese kleinen Messwerte zusammen ergeben ein Bild davon, ob euer Körper jünger oder älter läuft als das Kalenderalter suggeriert.
Und was haben sie rausgefunden?
Leute, die regelmäßig kulturell aktiv waren, hatten im Schnitt einen Körper, der drei Jahre jünger funktionierte als der von Menschen, die selten zu solchen Veranstaltungen gegangen sind. Drei Jahre! Das ist ja wohl nicht nichts.
Die Forschenden haben den Teilnehmenden einen „Kultur-Engagement-Score" gegeben, basierend darauf, wie oft sie ins Kino, in Ausstellungen oder zu Live-Aufführungen gegangen sind. Diejenigen mit höheren Werten kamen auf ein physiologisches Alter von etwa 66,9 Jahren. Die kulturell weniger aktive Gruppe lag dagegen bei durchschnittlich 69,9 Jahren.
Jetzt denkt ihr wahrscheinlich dasselbe wie ich: Könnte es nicht einfach sein, dass gesündere Menschen eher rausgehen und stuff machen? Die Forschenden haben das auch bedacht. Sie haben für Faktoren wie Einkommen, Beschäftigungsstatus und bestehende Erkrankungen kontrolliert — und der Zusammenhang zwischen kulturellen Aktivitäten und einem jüngeren physiologischen Alter blieb trotzdem bestehen.
Jeder Punkt mehr beim Kultur-Engagement war mit ungefähr einem Monat niedrigerem physiologischem Alter verbunden. Kleine Zahlen, klar, aber über die Zeit? Da kommt was zusammen.
Aber was steckt jetzt eigentlich dahinter? Die Forschenden haben ein paar Theorien. Kulturelle Veranstaltungen bringen meistens andere Menschen mit sich — man geht ja selten allein ins Theater. Diese soziale Verbindung könnte ein Teil der Erklärung sein. Dazu kommt die geistige Anregung, das Aussetzen gegenüber neuen Erfahrungen, und vielleicht einfach das Rauskommen aus den eigenen vier Wänden und sich Bewegen. Manche Studien deuten darauf hin, dass solche Aktivitäten die psychische Gesundheit stärken — und das wiederum kann sich auf das körperliche Altern auswirken.
Und jetzt kommt der Teil, der mir am besten gefällt: Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Wirkung kultureller Teilnahme „mit häufiger körperlicher Aktivität vergleichbar sein kann". Lasst das einen Moment sinken. Ein Konzert besuchen könnte tatsächlich in einer ähnlichen Liga spielen wie ein Spaziergang, wenn's um die Alterung eures Körpers geht.
Ich weiß nicht wie euch, aber plötzlich fühle ich mich viel besser wegen meiner Wochenendplanung.
Jetzt let's be real für eine Sekunde. Das ist Beobachtungsforschung — die Wissenschaftler können nicht beweisen, dass der Kauf von Theaterkarten direkt dazu führt, dass euer Körper langsamer altert. Es könnten noch andere Faktoren eine Rolle spielen, und vielleicht funktioniert der Zusammenhang ganz anders, als wir uns das vorstellen.
Aber selbst dann: Die Idee, dass etwas so Einfaches und Angenehmes wie Museumsbesuche oder Filmabende mit Freunden auch eurer körperlichen Gesundheit guttun könnte, ist ziemlich bemerkenswert. Und im Gegensatz zu manch anderen Gesundheitsmaßnahmen fühlt sich das hier nicht nach lästiger Pflicht an.
Die Forschenden schlagen vor, kulturelle Veranstaltungen zugänglicher zu machen — sowohl geografisch als auch finanziell — damit mehr Menschen diese potenziellen Vorteile abbekommen. Da wäre ich absolut dafür.
Also, das nächste Mal, wenn jemand meckert, dass du zu viel für Konzertkarten ausgibst oder eine zu lange Watchlist hast, kannst du ihm oder ihr getrost sagen: Entschuldigung, ich investiere gerade in meine zelluläre Verjüngung, danke.
Ich werde das auf keinen Fall als Ausrede nehmen, öfter ins Kino zu gehen. Actually, wait — doch, definitiv. Auf jeden Fall.
Was ist eure liebste kulturelle Aktivität? Glaubt ihr, dass ihr euch durch Ausgehen jünger fühlt? Ich würde mich freuen, von euch zu hören!