Die unangenehme Wahrheit über das Kotzen im All
Mal ehrlich: Astronaut zu sein klingt verdammt cool. Schwerelos durch die Gegend schweben, 16 Mal am Tag Sonnenaufgang erleben, Wissenschaft für die Menschheit betreiben. Aber hey – da gibt es eine Seite, die ihr auf den bunten NASA-Fotos nicht seht. Weltraumreisen haben einen ekligen Nebeneffekt. Wissenschaftler grübeln seit Jahren darüber.
Verstopfung.
Ja, ich sag's offen. Wenn man ins All startet, macht der Verdauungstrakt einfach mal Pause. Nur leider nicht die gute Art. Und bis vor Kurzem wusste niemand so richtig, warum.
Was passiert im Darm eines Astronauten?
Hier wird's spannend. Ein Forscherteam von der Universität Kopenhagen hat sich dieses kosmische Rätsel vorgeknöpft. Was sie gefunden haben? Ziemlich faszinierend – und leicht eklig.
Sie haben Blutproben von 52 Astronauten genommen, die monatelang auf der ISS waren. Dann haben sie nach Hinweisen gesucht. Undsie wurden fündig: Die Darmbakterien dieser Astronauten haben sich komplett umgestellt.
Schon nach ein paar Wochen im All passierte etwas Seltsames. Die Bakterien in ihren Eingeweiden stellten ihre Arbeit um. Sie begannen, Proteine zu fermentieren – Wissenschaftler-Deutsch für "wir essen jetzt das, was übrig ist, weil unser Lieblingsfutter alle ist".
Das Problem mit der Protein-Gärung
Lass mich das mal erklären.
In deinem Darm leben Billionen von Bakterien. Und die haben Vorlieben – genau wie du. Normalerweise fressen sie am liebsten Ballaststoffe. Das gute Zeug aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten. Aber wenn der Nachschub knapp wird oder das Essen zu lange im Darm hängt? Dann werden die Bakterien verzweifelt. Sie fangen an, Proteine zu zerlegen.
Das passiert übrigens nicht nur Astronauten. Auch du und ich können das erleben. Aber Vorsicht: Die Abfallprodukte dieser Protein-Gärung sind nicht gerade gesund. Forscher haben Verbindungen zu Nierenschäden, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsproblemen gefunden.
Warum verändert Schwerelosigkeit alles?
Die Forscher haben eine überzeugende Theorie.
Es liegt an der Schwerkraft. Oder besser gesagt: am Fehlen davon.
Auf der Erde hilft die Schwerkraft dabei, alles durch den Verdauungstrakt zu bewegen. Das Essen wird quasi durchgeschoben, alles läuft in einem ordentlichen Tempo. Aber in der Schwerelosigkeit? Da dreht das ganze System durch.
Ohne Schwerkraft bleibt das Essen einfach liegen. Länger als es sollte. Die Darmbakterien haben plötzlich viel mehr Zeit, sich durch das Material zu arbeiten. Und weil nichts mehr im normalen Tempo weiterwandert, fangen sie an, andere Nahrungsquellen zu suchen. Die Protein-Gärung läuft auf Hochtouren.
Das erklärt nicht nur die Verstopfung, sondern wahrscheinlich auch andere Symptome, über die Astronauten klagen. Dieses gefürchtete Hirnnebel-Gefühl. Die Konzentrationsschwierigkeiten.
Warum Mars-Missionen zum echten Problem werden könnten
Hier wird die Sache richtig wichtig.
Momentan sind Astronauten ein paar Monate auf der ISS, dann kommen sie zurück zur Erde und erholen sich. Aber was passiert bei Mars-Missionen? Da reden wir von Jahren. Jahre in der Schwerelosigkeit.
Die Forscher sagen es klar: Wir brauchen massive Gegenmaßnahmen, bevor wir Menschen auf diese Reisen schicken. Einfach hinzunehmen, dass Verdauungsprobleme normal sind? Das geht nicht, wenn jemand zwei Jahre in einer Kapsel zum Mars unterwegs ist.
Einfache Lösungen für ein kosmisches Problem
Die gute Nachricht: Die Forschung zeigt Wege nach vorn.
Die Wissenschaftler empfehlen, mehr Ballaststoffe zu essen. Das hält die Darmbakterien glücklich und versorgt sie mit ihrer Lieblingsnahrung. Präbiotische Supplements könnten auch helfen und die Verdauung ankurbeln. Alles, was die Darmbewegung – die sogenannte Peristaltik – fördert, reduziert die Zeit, in der Essen vor sich hin gammelt.
Astronauten werden also möglicherweise nochballaststoffbesessener als sie es ohnehin schon sind. (Kurioses Wissen: Viele Astronauten kontrollieren ihre Ernährung jetzt schon sorgfältig. Da käme jetzt eben ein weiterer Punkt dazu.)
Was das für uns Normalsterbliche bedeutet
Was ich an dieser Forschung richtig cool finde: Sie könnte Menschen helfen, die niemals ins All fliegen werden.
Denk an Patienten, die lange bettlägerig sind. Die haben oft auch mit Verstopfung zu kämpfen, richtig? Die Forscher vermuten, dass ähnliche Veränderungen in der Darmgärung bei ihnen ablaufen könnten. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten, Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit bei ihrer Verdauungsgesundheit zu unterstützen.
Es zeigt mal wieder, wie Wissenschaft manchmal in unerwartete Richtungen läuft. Wir schicken Menschen ins All, um etwas über das Universum zu lernen – und am Ende lernen wir auch etwas Wertvolles über uns selbst hier auf der Erde.
Das Fazit
Das All ist faszinierend. Aber es ist auch ein Ort, der deinen Körper auf seltsame Weise angreift. Dein Verdauungssystem hat sich über Millionen von Jahren an die Schwerkraft angepasst. Wenn du sie wegnimmst, wird's kompliziert.
Aber hier kommt das Hoffnungsvolle: Jetzt, wo wir verstehen, was passiert, können wir etwas dagegen tun. Die Lösungen sind gar nicht so kompliziert. Mehr Ballaststoffe. Vielleicht ein paar Nahrungsergänzungsmittel. Den Darm in Bewegung halten. Manchmal sind die Antworten auf kosmische Probleme erstaunlich bodenständig.
Und ehrlich gesagt? Das finde ich irgendwie beruhigend.