Mein neues Lieblingsspielzeug: Der Fluance RT87
Okay, ich sag's mal so: Ich sammle Schallplatten schon seit Jahren. Und in dieser Zeit ist so mancher Plattenspieler bei mir gelandet. Günstige Modelle, Mittelklasse-Anlagen, sogar ein paar teure Teile, die meinem Kontostand gar nicht gutgetan haben. Aber letzte Woche kam der Fluance RT87 bei mir an — und mein innerer Audiophile macht seitdem Luftsprünge.
Was ist hier eigentlich los?
Fangen wir mal ganz básico an: Plattenspieler sind im Grunde nichts anderes als raffinierte Vibrationsmaschinen. Jedes kleine Wackeln, jedes Motorgeräusch, jeder Klimpern von außen landet direkt in eurer Musik. Sauberer, präziser Sound? Fehlanzeige. Die meisten Plattenspieler bekämpfen dieses Problem mit... nun ja, Hoffnung und Gummifüßen.
Der RT87 geht da einen völlig anderen Weg. Fluance nennt das Dual-Plinth-Design. Stellt es euch so vor: Statt einer soliden Basis gibt es zwei Lagen mit einem kleinen Spalt dazwischen, gefüllt mit Gummiisolatoren. Motor und Plattenteller sitzen unten, der Tonarm oben — komplett entkoppelt vom mechanischen Chaos unter ihm.
Funktioniert das? Mamia. Selbst als ich während der Wiedergabe gegen den Tisch stupste, gab es nicht einen einzigen Aussetzer. Kein Flattern, keine Verzerrung. Einfach purer, sauberer Sound.
Carbonfasern — nicht nur für Rennräder
Der Tonarm ist hier das wirklich Spannende. Er besteht aus Carbonfaser. Klingt nach Marketing-Gequatsche, aber steckt reale Wissenschaft dahinter. Carbonfaser bietet etwas Wunderbares: Leichtigkeit gepaart mit Steifigkeit. Der Arm biegt sich nicht durch, wackelt nicht während der Wiedergabe. Das bedeutet: Die Nadel folgt den Rillen exakt wie vom Ingenieur gedacht.
Aber es kommt noch besser! Der RT87 erlaubt auch die Einstellung des VTA — also des vertikalen Abtastwinkels. Das ist der Winkel, in dem die Nadel auf die Platte trifft. Die meisten Plattenspieler haben das fest eingestellt. Hier könnt ihr feintunen. Warum ist das relevant? Weil jede Platte, jede Pressung, jede Rillentiefe leicht anders ist. Diese Einstellbarkeit bedeutet: Ihr könnt für eure spezifische Sammlung optimieren.
Speaking of Records...
Für den Test habe ich mir Billy Joels The Stranger geschnappt — denn mal ehrlich, welches Album eignet sich besser, um Audioqualität zu beurteilen? Als dann "Movin' Out" startete, hat es Klick gemacht. Sein Piano klang... präsent. Nicht gedämpft, nicht weit weg. Einfach da, im Raum bei mir. Die Drums hatten Punch. Die Gitarre Wärme. Und Billys Stimme? Die klang, als würde er direkt neben mir sitzen — nicht durch einen Lautsprecher.
Als wir dann bei "Scenes From an Italian Restaurant" ankamen, war ich wirklich bewegt. Ich konnte einzelne Instrumente kristallklar heraushören — und trotzdem verschmolzen sie perfekt miteinander. Das ist das Zeichen eines großartigen Plattenspielers: Er enthüllt Details, ohne klinisch oder kalt zu werden.
Eine Sache vor dem Kauf
Hier kommt mein öffentlicher Service-Hinweis: Der RT87 hat keinen eingebauten Vorverstärker. Das klingt erstmal nach nem Nachteil. Aber mal ganz ehrlich? Es ist ein Segen in Verkleidung.
Diese integrierten Vorverstärker in günstigen Plattenspielern sind meistens das Erste, was eure Klangqualität kompromittiert. Indem Fluance einen separaten Vorverstärker verlangt, lasst ihr euch die Freiheit, genau zu wählen, wie eure Audiokette klingt. Wollt ihr warm und vintage? Nex her mit nem Röhren-Vorverstärker. Präzise Akkuratesse? Solid-State. Die Wahl liegt bei euch.
Rechnet einfach nochmal 50 bis 150 Euro für einen ordentlichen Vorverstärker ein — falls ihr nicht schon einen habt. Viele Receiver und Aktivlautsprecher bringen einen bereits mit.
Das Fazit
Um die 800 Euro — ja, der Fluance RT87 ist kein Schnäppchen. Aber verglichen mit dem, was er liefert? Absolutes Schnäppchen. Die Dual-Plinth-Konstruktion allein sucht in dieser Preisklasse meines Wissens nach seinesgleichen. Dazu kommen der einstellbare VTA, der Carbonfaser-Tonarm und der Acryl-Plattenteller, der keine separate Matte braucht. Ein Plattenspieler, der deutlich über seinem Gewicht spielt.
Wenn ihr bisher auf nem Einsteiger-Plattenspieler unterwegs seid und jetzt hören wollt, was eure Platten wirklich klingen, könnte das euer nächtes Upgrade sein. Sorgt nur dafür, dass ein guter Vorverstärker bereitliegt — und macht euch darauf gefasst, eure Schallplattensammlung mit neuen Ohren zu hören.