Die seltsamste Sache am Menschsein
Du hältst gerade wahrscheinlich ein Smartphone oder einen Stift mit deiner rechten Hand. Und neun von zehn Menschen um dich herum tun das auch. Das fühlt sich total normal an. Dabei ist es evolutionär gesehen ein echtes Kuriosum.
Unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen und Gorillas, sind praktisch beidhänderig. Sie greifen mal mit links, mal mit rechts. Warum nur wir Menschen so stark auf die rechte Hand festgelegt sind, blieb lange rätselhaft.
Neue Studie aus Oxford
Forscher der Universität Oxford haben jetzt über 2.000 Affen aus 41 Arten untersucht. Sie wollten herausfinden, wie sich die menschliche Händigkeit entwickelt hat. Das Ergebnis: Zwei große Veränderungen in unserer Geschichte haben alles verändert.
Aufrecht gehen und große Gehirne
Als unsere Vorfahren begannen, auf zwei Beinen zu laufen, wurden ihre Hände frei. Plötzlich konnten sie Werkzeuge herstellen oder Gegenstände präzise bearbeiten. Eine Hand für feine Arbeiten, die andere für Kraft – das brachte Vorteile. Dominanz wurde sinnvoll.
Parallel dazu wuchsen die Gehirne. Größere Gehirne ermöglichten komplexere Bewegungen und bessere Koordination. Die rechte Hand setzte sich immer stärker durch. Die Kombination aus aufrechtem Gang und größerem Gehirn hat die extreme Rechtslastigkeit geschaffen.
Rückblick auf unsere Vorfahren
Mit diesen Erkenntnissen konnten die Forscher auch zurückschauen. Frühe Hominiden wie Australopithecus waren nur leicht rechtslastig – ähnlich den heutigen Affen. Erst mit dem Auftauchen der Gattung Homo, etwa bei Homo erectus, nahm die Rechtsdominanz deutlich zu. Bei modernen Menschen schließlich lag der Wert bei etwa 90 Prozent.
Die Hobbit-Ausnahme
Besonders spannend ist Homo floresiensis, der sogenannte „Hobbit“. Diese kleinen Menschen auf einer indonesischen Insel hatten kleinere Gehirne und konnten noch klettern. Nach den Ergebnissen der Studie waren sie weniger stark auf eine Hand festgelegt. Genau genommen bestätigt der Hobbit den Zusammenhang: Weniger aufrechter Gang und kleinere Gehirne bringen weniger ausgeprägte Handdominanz.
Noch offene Fragen
Trotz der neuen Erkenntnisse bleiben Rätsel. Warum hat sich die Linkshändigkeit nicht komplett verdrängt? Zehn Prozent der Menschen sind immer noch linkshändig. Evolution und Kultur scheinen hier beide mitzuspielen. Gesellschaftliche Regeln haben die Rechtsdominanz zusätzlich verstärkt – früher wurde Kindern oft die linken Hände „umerzogen“.
Warum das alles wichtig ist
Händigkeit ist mehr als nur praktische Gewohnheit. Sie hängt mit Gehirnasymmetrie, Sprachentwicklung und Werkzeuggebrauch zusammen. Wer die Händigkeit versteht, lernt etwas über uns selbst. Und die Studie regt dazu an, auch bei anderen Tieren nach ähnlichen Mustern zu suchen – bei Papageien oder Kängurus zum Beispiel.
Fazit
Wir sind rechtsdominant, because wir auf zwei Beinen gehen und riesige Gehirne besitzen. Beides gehört zu den Dingen, die uns als Menschen ausmachen. Eine kleine evolutionäre Veränderung hat letztlich dazu geführt, dass deine Handpräferenz Teil unserer Artgeschichte ist.