Wenn eine Krankheit schon schlimm ist, werden mehrere zum echten Problem
Stell dir eine Schlange in freier Wildbahn vor. Sie muss ständig nach Futter suchen, Raubtiere meiden und hoffen, dass kein Mensch mit der Schaufel zuschlägt. Und dann kommen noch Krankheiten dazu: ein Pilz, der die Haut zerfrisst, Parasiten in der Lunge und Bakterien im Blut. Alles gleichzeitig.
Genau das passiert bei vielen Schlangen im Südosten der USA. Eine neue Studie zeigt, wie stark sie unter mehreren Infektionen leiden.
Mehrere Erreger gleichzeitig im Blick
Bisher haben sich Forscher meist nur auf eine Pilzerkrankung konzentriert, die Schlangen befällt. Ein Team der University of Georgia hat jetzt anders vorgegangen. Sie haben über 500 Schlangen auf sieben verschiedene Krankheitserreger getestet. Das Ergebnis überrascht: Weniger als ein Fünftel der Tiere war völlig gesund. Über 80 Prozent trugen mindestens eine Infektion.
Häufige Erreger und ihre Folgen
Am häufigsten fand sich ein Bakterium, das auch beim Menschen Durchfall auslösen kann. Es steckte in fast zwei Dritteln der Schlangen. Ein weiterer Parasit, der über Zecken übertragen wird, zeigte sich bei mehr als der Hälfte der Tiere. Besonders auffällig: Fast jede zweite Schlange hatte gleich mehrere Erreger im Körper. Manche sogar vier verschiedene.
Artenunterschiede bei der Anfälligkeit
Nicht alle Schlangenarten sind gleich betroffen. Zwergklapperschlangen litten besonders stark unter dem Pilz. Bei ihnen zeigten sich oft auch sichtbare Krankheitszeichen. Andere Arten wie die Schleifenschlange oder die Ringelnatter waren deutlich weniger infiziert. Die Forscher vermuten, dass ständiger Stress durch Verfolgung und Tötung das Immunsystem der Klapperschlangen schwächt. Hinzu kommt ihre Ernährung: Sie fressen viele Frösche und Eidechsen, die Parasiten beherbergen.
Wo die Tiere leben, macht einen Unterschied
Auch der Fundort spielte eine Rolle. In Georgia trat der Pilz häufiger auf, während Lungenparasiten vor allem in Florida nachweisbar waren. Das deutet darauf hin, dass Klima und Umweltbedingungen entscheidend dafür sind, welche Krankheiten sich wo ausbreiten.
Sichtbare Hautschäden als Warnsignal
Schlangen mit sichtbaren Hautverletzungen waren deutlich häufiger vom Pilz betroffen. Offene Stellen erleichtern dem Erreger den Eintritt. Gesunde Haut bot dagegen deutlich besseren Schutz.
Folgen für den Artenschutz
Die Studie zeigt: Schlangen stehen unter Druck von mehreren Seiten. Lebensraumverlust, Klimawandel und Krankheiten verstärken sich gegenseitig. Wer nur eine Bedrohung bekämpft, übersieht oft das Gesamtbild. Künftige Schutzmaßnahmen müssen daher mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtigen – von der Krankheitsbekämpfung bis zum Schutz vor Verfolgung.
Die Forscher betonen, dass ihre Daten nur für einen begrenzten Raum gelten. Dennoch liefert die Untersuchung wichtige Hinweise: Wild lebende Schlangen kämpfen oft gegen ein ganzes Bündel von Problemen. Wer Arten erhalten will, muss diese Zusammenhänge verstehen.