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Das Geheimnis des alten Japans: So überlebte man Katastrophen – und zwar völlig anders als gedacht

Das Geheimnis des alten Japans: So überlebte man Katastrophen – und zwar völlig anders als gedacht

2026-10-18T22:04:23.361545+00:00

Als das Meer in Flammen stand – und die Menschen trotzdem wuchsen

Lass mich dir eine Frage stellen: Wenn du an eine verheerende Vulkanexplosion denkst, die alte Gemeinschaften auslöscht – was siehst du vor deinem inneren Auge?

Wahrscheinlich etwas Dunkles. Überlebende, die kaum durchkommen. Schatten ihrer einstigen Selbst.

Aber was, wenn ich dir sage, dass manche Bevölkerungen in Japan nach einer der schlimmsten Naturkatastrophen der Vorgeschichte sogar gewachsen sind?

Genau das haben Forscher der Universität Lund und Cambridge herausgefunden, als sie sich anschauten, was nach dem Ausbruch des Unterwasser-Vulkans Kikai-Akahoya geschah – vor etwa 7.300 Jahren. Ehrlich gesagt hat mich das umgehauen.

Der Tag, an dem der Meeresboden explodierte

Stell dir vor: Du lebst in Japan, in der Jomon-Zeit, vor über siebentausend Jahren. Du bist Jäger und Sammler, lebst eng mit dem Land – und dem Meer. Klar, es gibt Herausforderungen. Aber du hast deine Routinen, deine Gemeinschaft, deine Art zu überleben.

Und dann, eines Tages, ohne große Vorwarnung, explodiert der Meeresboden.

„Der Ausbruch muss verheerend gewesen sein", erklärt Professor Peter Jordan von der Universität Lund. „Er hat den Meeresboden mit kaum einer Warnung aufgerissen." Schwere Erdbeben. Riesige Tsunamis. Alles wurde von meterdicker Vulkanasche bedeckt.

Jahrzehntelang haben Archäologen gestritten, was dann passierte. Die einen sagten: Apokalypse, Menschen verschwanden aus den am schlimmsten getroffenen Gebieten. Die anderen meinten, einige Gemeinschaften hätten überlebt – sogar in relativer Nähe zum Desaster.

Hier die Sache: Beide Seiten lagen falsch. Oder besser gesagt – beide hatten nur einen Teil der Wahrheit erwischt.

Keine einzelne Geschichte, sondern viele

Die Forscher fanden heraus: Was geschah, war keine einheitliche Story. Es waren viele Geschichten gleichzeitig, an verschiedenen Orten.

In Süd-Kyushu schrumpfte die Bevölkerung schon vor dem Ausbruch. Als die Katastrophe kam, lebten ohnehin nicht mehr viele dort. Die Gegend wurde hauptsächlich von mobilen Sammlergruppen besucht.

Nord-Kyushu erzählt eine ganz andere Geschichte. Die Bevölkerung dort wuchs vor dem Ausbruch – und setzte dieses Wachstum während und nach der Katastrophe fort. Trotz schwerer Schäden an den umliegenden Ökosystemen.

Warum? Die Forscher vermuten, dass Flüchtlinge aus den am stärksten betroffenen Gebieten die Bevölkerung in Nord-Kyushu tatsächlich verstärkt haben. Überlebende wanderten, fanden neue soziale Verbindungen, entwickelten neue Lebensweisen.

Lass das kurz sacken: Eine Katastrophe, die Menschen aus einer Region vertrieb, könnte einer anderen Region zum Aufblühen verholfen haben.

Die Küste wird zum Mittelpunkt

Und da kommt noch ein Twist: Überlebende, die bisher im Inland gelebt hatten, wanderten nach und nach an die Nordküste.

Warum machte das Sinn? Marine Ökosysteme erholten sich relativ schnell nach dem ganzen vulkanischen Chaos. Das Meer – eben noch eine Nahrungsquelle unter vielen – wurde plötzlich unglaublich wertvoll. Diese Gemeinschaften entwickelten neue Wege, den Reichtum des Ozeans zu nutzen.

Sie passten sich an. Sie innovierten. Sie fanden kreative Lösungen für unmögliche Situationen.

„Die Katastrophe verursachte massiven Verlust an Menschenleben", sagt Hauptautor Professor Enrico Crema von Cambridge. „Aber Überlebende wanderten, schmiedeten neue soziale Beziehungen, entwickelten neue Wirtschaftsformen und fanden offensichtlich kreative Wege, in der neuen post-katastrophalen Realität zu existieren und später aufzublühen."

Dieser Satz – „neue Wirtschaftsformen" – hat mich besonders beeindruckt. Wir reden hier nicht von Menschen, die gerade so überleben. Wir reden von Menschen, die aus den Trümmern tatsächlich etwas Neues aufgebaut haben.

Welleneffekte

Und jetzt wird es richtig spannend.

Die Forscher fanden auch Bevölkерungsveränderungen in Regionen Japans, die weit vom Ausbruch entfernt lagen. Diese entfernten Gebiete hatten vor der Katastrophe Wachstum erlebt – aber danach stagnierte dieses Wachstum oder drehte sich sogar um.

Das war keine direkte vulkanische Zerstörung. Diese Orte lagen nicht unter Asche begraben. Aber sie spürten die Auswirkungen trotzdem.

Warum? Mehrere Erklärungen sind möglich. Der Ausbruch könnte vorübergehende Klimastörungen ausgelöst haben, die sich über die gesamte Region ausbreiteten. Eine andere Theorie dreht sich um starken Zahnverschleiß bei Hirschen und Wildschweinen – Tiere, die mit Asche bedeckte Vegetation fraßen, was ihrer Zahngesundheit offenbar zusetzte.

Was auch immer die genaue Ursache war: Naturkatastrophen haben weitreichende Folgen, die wir oft nicht vorhersehen. Die Auswirkungen können weit über die offensichtlich zerstörten Gebiete hinausreichen.

Was das für uns bedeutet

Ehrlich: Als ich zum ersten Mal von dieser Studie las, erwartete ich eine Geschichte über Untergang. Und ja, der Ausbruch war verheerend. Viele Menschen starben. Gemeinschaften wurden ausgelöscht.

Aber die Geschichte, die diese Forscher aufgedeckt haben, handelt von etwas anderem: menschlicher Handlungsfähigkeit.

Professor Jordan bringt es wunderbar auf den Punkt: „Diese Studie hilft, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Kulturen und Gesellschaften mit plötzlichen Schocks und Katastrophen umgehen. Selbst in den unmöglichsten Situationen haben Überlebende und Gemeinschaften Wahlmöglichkeiten, so begrenzt sie auch sein mögen: Sie müssen handeln und entscheiden; sie müssen sich anpassen, zusammenarbeiten und neue Verbindungen und soziale Netzwerke finden."

Das trifft einen Nerv, oder? Wir stellen uns Menschen der Antike oft als hilflos der Natur ausgeliefert vor. Aber diese Forschung zeigt etwas anderes: Selbst angesichts überwältigender Zerstörung trafen Menschen Entscheidungen. Sie passten sich an. Sie fanden Wege nach vorn.

Irgendwie ist das tröstlich, oder?

Wir haben Pandemien durchgestanden, Kriege, Naturkatastrophen – all diese Katastrophen throughout der Menschheitsgeschichte. Wir haben immer Wege gefunden zu überleben – und oft genug: aufzubauen und zu gedeihen. Das ist nicht nur alte Geschichte. Das ist menschliche Natur.

Wenn du das nächste Mal vor einer Herausforderung stehst, die dir unüberwindbar erscheint, denk an die Jomon-Menschen im alten Japan. Denk daran, dass vor 7.300 Jahren, im Schatten einer vulkanischen Apokalypse, unsere Vorfahren nicht nur überlebten.

Sie passten sich an. Sie entwickelten Neues. Und sie wuchsen.

Wenn das kein Gedanke ist, den man im Hinterkopf behalten sollte – dann weiß ich auch nicht.

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