Zwei Wracks. Zwei Schicksale. Eine vergessene Schlacht.
Stell dir vor, Zweiter Weltkrieg bedeutet für dich nur Europa: Normandie-Landung, Blitzkrieg, Berliner Trümmer. Aber Alaska? Da tobte eine der blutigsten Kämpfe des Krieges. Isoliert, eisig, fernab jeder Öffentlichkeit. Heute kennt kaum jemand die Belagerung von Attu 1943.
Diese Schlacht hinterließ nicht nur Gräber. Sie ließ Geister im Meer zurück.
Tauchgang in die Vergangenheit
Forscher haben kürzlich die Tiefen vor Attu erkundet. Mit Sonar, Tauchrobotern und alten Karten fanden sie zwei vergessene Wracks. Die Entdeckung war so aufregend, dass sie im Fachblatt Heritage darüber berichteten.
Kein rostiges Blech einfach so. Sie kartierten zwei Schiffe – eines japanisch, eines amerikanisch. Jedes erzählt seine eigene Geschichte aus dem Krieg.
Das japanische Transportschiff: Treffer mitten ins Herz
Nehmen wir die Kotohira Maru. Ein Kohlefrachter aus dem Jahr 1918. Beladen mit Holz, Treibstoff und Proviant für japanische Truppen auf Attu. Im Dezember 1942 segelte sie los.
Am 5. Januar 1943 nähert sie sich der Bucht von Holtz Bay, dem japanischen Stützpunkt. Ein US-Pilot entdeckt sie. Bald donnert eine B-24-Bomberflotte heran.
Eine 500-Pfund-Bombe trifft den Bug. Das Schiff sinkt in 90 Metern Tiefe. 30 bis 50 Mann der Besatzung sterben.
Die Forscher fanden es heil, aufrecht am Grund. Beschädigter Bug, Laderäume, Dampfmaschine – ein Zeitkapsel des Untergangs.
Das US-Kabelschiff: Unglück nach dem Sieg
Völlig anders die SS Dellwood. Gebaut 1919 als Kabelleger, ein schwimmendes Werk für Unterseekabel. Nach Pearl Harbor übernahm die US-Marine sie. Sie pendelte zwischen Seattle und Alaska-Posten.
Im Juli 1943, nach dem US-Sieg auf Attu, kommt sie an. Aufgabe: Kabel von Kommandozentrale zur neuen Landebahn auf einer Nachbarinsel verbinden.
Doch ein unkartiertes Riff bei Alexai Point lauert. Volltreffer. Das Schiff bricht auseinander. Bergungsschiffe scheitern. Man räumt Ausrüstung ab, dann sinkt es in 35 Metern Tiefe.
Heute ist es zertrümmert – absichtlich zerstört nach dem Krieg für freie Fahrt. Nur die Kabelmaschinen verraten, was es war.
Warum diese Wracks uns etwas sagen
Wichtig: Beide Schiffe kämpften nicht direkt in der Attu-Schlacht. Doch sie spiegeln den großen Konflikt wider.
1942 nahmen Japaner Attu und Kiska ein. Die Unangan, jahrtausendelang dort zu Hause, wurden vertrieben. Die Kotohira Maru steht für japanische Aufrüstung und Vertreibung. Die Dellwood für US-Präsenz, die Heimkehr verhinderte.
Das sind Wracks auf US-Boden – oder Territorium. Ein Krieg, der Ureinwohner heimatlos machte. Die meisten Amerikaner ahnen nichts davon.
Der große Kontext
Diese Arbeit passt in ein Projekt: Alaskas Unterwasser-Erbe aus dem Zweiten Weltkrieg sichern. Forscher listen Kulturstätten auf, für Nachkommen und Historiker.
Der Aleuten-Feldzug war Hölle pur. Tausende Soldaten in arktischer Kälte, mitten im Beringmeer. US-Truppen litten unter Frost und Einsamkeit wie nirgends sonst.
Diese Wracks rahmen die Geschichte ein: Nachschub für Feinde, Aufbau nach Sieg. Sie mahnen: Geschichte schlummert oft unerwartet tief.
Echt faszinierend, oder?